Nerviger Tourismus

Nein, der Tourismus nervt mich nicht, überhaupt nicht.
Viel mehr die dafür verantwortliche Organisation in unserer Stadt. Verlangt sie doch neu 880’000 anstelle von 450’000 pro Jahr für ihre Arbeit. Es kann nicht sein, dass hier die Stadt in die Bresche springen muss. Es ist wie beim Rest in der Stadt. Wenn die Geschäfte schlecht laufen, dann sind alle anderen schuld nur nicht die Organisationen selber. Wann lernen diese Institutionen endlich, ihre eigenen Probleme selber zu lösen, anstatt das Verpasste mit finanziellen Forderungen an die Allgemeinheit aufzuholen?
Die Stadt ist für die Rahmenbedingungen verantwortlich, nicht für das Versagen des Vereins. Mir graut es davor, dass wir nun mit Boris Tschirky auch noch eine zweite Person (Thomas Scheitlin ist ja schon dabei) aus diesem Umfeld in den Stadtrat wählen sollen. Jemand, der von Organisationen wie dem HEV oder von Pro CIty unterstützt wird. 2 Organisationen, die nicht müde werden, die Probleme in der Innenstadt dem Staat zuzuschieben. Diese Vereine und Verbände sollen endlich selber Verantwortung übernehmen, über Mietzinse und neue Geschäftsmodelle nachdenken. Nehmt endlich die Finger aus dem Arsch und hört auf zu Jammern!

Was sich die Pro City und der HEV in der Stadt so leistet, hier und hier könnt ihr es nachlesen

Hab noch kurz recherchiert. Die finanzielle Situation von St.Gallen Tourismus ist im Übrigen gar nicht so schlecht. Es wäre durchaus möglich, hier an anderer Stelle zu mehr Geld zu kommen

Quelle: Jahresbericht 2016

Meine Detailhandelstory

Ich habe mir in einer schlaflosen Nacht überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre, meine kleinen schwarzen analogen Notizbüchlein durch etwas Digitales zu ersetzen. Da ich die Büchlein jeweils in einer Papeterie im Stadtzentrum einkaufe sah ich keinen Grund das Geschäft zu wechseln. Damit ich aber nicht vergebens mit dem ÖV in die City fahre habe ich mich erstmal Online schlau gemacht.

Also kurz auf die Webseite meiner „Lieblingspapeterie“ um einen Blick auf das Angebot an digitalen Notizbüchlein zu werfen. Da mich insbesonder die Marke „Livescibe“ interessierte hab ich auch danach gesucht. Dabei kam folgendes heraus (Suchbegriff: Live)

Ok, auch sonst habe ich nichts Vernünftiges gefunden.
Damit ich mich nicht auf ein einzelnes Fachgeschäft verlassen muss, habe ich noch einen Blick auf die Webseite eines Konkurrenzgeschäfts geworfen, das mir grad spontan eingefallen ist. Mit dem selben Suchbegriff bin ich auf folgendes Produkt gestossen:

Ja, so habe ich auch geschaut! Es gäbe noch mehr zum zweiten Shop zu sagen, ich belasse es aber beim Stichwort ProCity.

Ok, das war wohl nichts. Dann fahren wir halt auf gut Glück in die Stadt. Vor Ort dann die endgültige Ernüchterung. In beiden Geschäften stand die selbe Packung eine digitalen Kugelschreibers zum Verkauf. Eine Beratung oder allenfalls ein alternatives Produkt um digitale Notizen zu erfassen, Fehlanzeige!

Mein Fazit von heute Vormittag: Eine (eigentlich ja 2) Papeterie, die sich mit einem eigenen Kugelschreiberonlineshop abheben will, ist nicht in der Lage, ein Werkzeug, das dem selben Nutzen dient, einigermassen vernünftig vor Ort zu verkaufen. Und nein, für das rund 500 Gramm schwere Paket, das sie im Angebot hatten, braucht man auch kein Auto und keinen Parkplatz, nicht mal ein ÖV-Ticket!
Und da sucht man noch mit grosszügiger Hilfe der Stadt und in partizipativen Foren nach Lösungen?

Vom Sofa aufstehen

St. Gallen, eine der schönsten Städte der Schweiz suhlt sich im Jammertal.
Allen voran die Vereinigung der Ladenlokale und Beizen, die ProCity AG

Die Vereinigung wird nicht müde, sich über alles und jeden zu beschweren. Ob Marktplatz, Parkgaragen oder Strassen. Stets sitzt sie in der vordersten Reihe und blockt so ziemlich alles ab, was ihr nicht passt.
Selbst aber kommt sie nicht in die Gänge. Die „Besitzstandswahrung“ und antiquierten Geschäftsmodelle sind für sie in Stein gemeisselt.

Was hindert die ProCity AG sich zu bewegen. Wo bleiben die Ideen, dem Online Shopping Konkurrenz zu machen. Beratungsgebühren zu verlangen, damit man sich die anprobierten Schuhe nicht im Netz bestellt? Wohl kaum das gelbe vom Ei.
Wo bleibt der Laden, der die gekauften Waren mit dem Cargo Bike nach Hause fährt, während ich ein Kaffee trinken gehe? Wo bleiben die Rikschas, die mich nach einer anstrengenden Shoppingtour zurück zum Auto fährt?
Nehmt meine Ideen nicht wörtlich, sie sind vermutlich nicht ganz zu Ende gedacht. Es ist aber auch nicht meine Aufgabe, den Läden ihre Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das ist ihr Job, nicht meiner.

Die Stadt, die ja laufend in der Kritik steht, ist zuständig, die Rahmenbedingungen für Entwicklungen zu schaffen. Da gibt es sicher den Einen oder Anderen Punkt an dem man ansetzen muss, um neue Ideen zu unterstützen. So wie ich unsere Stadt aber in den letzten Jahren erlebt habe, sehe ich da durchaus Chancen. Die Öffentlichkeitsarbeit, die Transparenz und die Bereitschaft, zuzuhören hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Nicht nur bei partizipativen Ansätzen zur Quartierentwicklung.
Und der wichtigste Punkt, man merkt, dass es den Leuten Spass macht, wenn Ideen entwickelt werden, wenn man miteinander redet. Das Spiel Bürger vs. Verwaltung ist ebenso veraltet, wie die Geschäftsmodelle einzelner Läden in der Innenstadt.

Natürlich sind noch Hürden zu überspringen und Berge zu bezwingen. Die eingeschlagenen Wege (es gibt nicht nur einen) sind richtig. ABer es gibt kein Ziel, nur Zwischenstopps, denn die Welt dreht sich weiter und die Ziele werden immer wieder neu definiert. Da müssen wir dranbleiben.

Dann schulde ich noch jemandem eine kleine Grafik, die zeigt, dass das Gejammere der ProCity AG, aber auch den Initianten der Mobilitätsinitiative niemandem etwas bringt. Es geht um die Anzahl der Parkplätze in der Innenstadt.
Die Zahlen sind für jederman einsehbar und wenn man sie etwas „aufpeppt“ merkt man sehr schnell, dass das Argument Parkplätze eigentlich gar keines sein kann. Wäre dem so, dann müssten wir seit 2008 einen richtigen Wirtschaftsboom haben.

Quelle: Stadt St. Gallen, Anzahl öffentliche Parkplätze in der Innenstadt

Habe fertig 😉

Mobilitätsinitiative – Bürgerlicher Wahlk(r)ampf

Ich muss kurz ausholen. Diese Woche hat das ASTRA das Projekt «A1 Instandsetzung Stadtautobahn St. Gallen» öffentlich aufgelegt.

Dabei geht es nicht, wie einige erwarten würden, um einen Ausbau der Stadtauobahn und auch nicht um eine Teilspange oder Zubringer Güterbahnhof. Nein, es geht «nur» um die Gesamtinstandsetzung. Die Instandsetzung soll Mitte 2020 beginnen 430 Millionen kosten und rund 4 Jahre dauern.

Ich denke, es dürfte klar sein, dass damit ein Ausbau der A1 in St. Gallen in weite Ferne rückt. Die Steuerzahler würden es wohl auch nicht begrüssen, wenn kurz nach einer Totalsanierung erneut zu Schaufel und Bagger gegriffen wird und weitere Millionen verbaut würden, geschweige denn die Autofahrer, die in relativ kurzen Abständen mehrfach mit Behinderungen und zusätzlichem Stau rechnen müssen.

Ich möchte daran erinnern, wie uns bürgerliche Kreise im Vorfeld der Abstimmung zum Güterbahnhof ein zügiges Vorgehen versprochen haben. Bürgerliche Kreise, die uns mit «fertigen» Plänen für unterirdische Kreisel und einer entlastenden Anbindung der Innenstadt an die A1 vor dem Gesicht herumgewedelt haben. Bürgerliche, die bei einem Ja zum Güterbahnhof vor dem totalen Verkehrskollaps gewarnt haben.

Und nun kündigen dieselben bürgerlichen Parteien ihre Mobilitätsinitiative an. Eine Initiative, die die Aufhebung des «Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung» fordert. (Anmerkung, das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung wurde 2010 mit 59,1% angenommen)

Im Initiativtext steht «Die Stadt ist bestrebt….das Wachstum des Gesamtverkehrsaufkommen…zu bewältigen und den Mobilitätsbedürfnissen von Bevölkerung und Wirtschaft nachzukommen».

Im Klartext bedeutet dies, die Kapazitäten für sämtliche Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Die Initiative unterscheidet dabei nicht zwischen Verkehr aus den Agglomerationen oder innerstädtischem Verkehr. Sie legt auch keine Schwerpunkte in Bezug auf die einzelnen Verkehrsmittel.  Wie soll unsere Stadt diesem Begehren nach ungebremsten Verkehrswachstum nachkommen? Zudem, wer bestimmt, welche Verkehrsteilnehmer welche Bedürfnisse haben? Wie viele Autofahrer müssen sich melden, damit ein neues Parkhaus gebaut wird? Wie laut muss ProCity schreien, damit ihre Kunden wieder bis vor die Ladentüre fahren können? Mit solchen Ideen kann man in unserer Stadt vielleicht Wahlk(r)ampf aber sicherlich keine nachhaltige Politik betreiben.

Hier der Wortlaut „Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung“