Nackt vor den Kadi

Vorneweg, es geht um Schnüffler, die im Namen der Sozialversicherungen vermeintlichen Betrüger hinterherjagen sollen.
Ich bin diesen Sommer haarscharf an einer Invalidität vorbeigeschrammt. Es geschah völlig unerwartet und aus heiterem Himmel. Das ich nicht zu einem Sozialfall wurde habe ich meine Arbeitskollegen und Kolleginnen zu verdanken. Viel, verdammt viel Glück war auch im Spiel.
In der REHA habe ich dann viele Leute kennengelernt, die weniger Glück hatten und die heute um jede Hilfe betteln müssen. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass es trotz anerkannter körperlicher und geistiger Nachteile nicht einfach so ist, das einem der Staat hilft. Nein, man muss darum kämpfen, und die Hosen runterlassen, vom Gehstock bis zur Haushaltshilfe, alles wird hinterfragt. Ja, alleine schon einen halben Arbeitstag wegen stechender Kopfschmerzen zu verpassen, löst einen (ungewollten) Arztbesuch aus. Nein, nicht der Arbeitgeber, die Krankentaggeldversicherung will dafür ein ärztliches Zeugnis!
Jetzt sollen also noch Schnüffler den sonst schon gegängelten Menschen hinterherjagen nur um zu beweisen, dass sie ja vielleicht doch ab und zu in der Lage sein könnten, sich wie ein gut schweizerisch arbeitender Mensch an der Gesellschaft beteiligen zu können, wenn auch nur stundenweise versteht sich.
Dazu sollen Telefone abgehört werden, das Internet überwacht und was weiss ich noch was alles.
Ich bestreite nicht, dass es Menschen gibt, die unser System ausnützen. Das gilt aber für IV-Betrüger genauso, wie die Verfechter der finanziellen Privatsphäre. Das sind übrigens sehr oft dieselben, die am lautesten nach Sozialdetektiven schreien.
Ich erwarte von einer derart wohlhabenden Gesellschaft, dass sie die Benachteiligten Menschen schützt und nicht auf Verdacht hin ihrer Privatsphäre beraubt. Die faulen Eier findet man auch ohne solche massiven Eingriffe. Und ja, ich halte diesen Schnüffelstaat auch bei Steuervergehen für nicht adäquat. Privatsphäre und Datenschutz gilt für alle!

Mobbende Politiker

Seit die Flüchtlingsproblematik etwas an politischer Brisanz eingebüsst hat, besinnt sich der Rechte Mob wieder auf das, was er am besten kann. Gezieltes Diskreditieren einzelner exponierter Personen. Auf dem Schulareal würde man es heute wohl gezieltes Mobbing nennen.
Da werden Wissenschaftler/innen, Pädagogen, Journalisten aber auch Menschen wie du und ich durch den Dreck gezogen, nur weil sie ihren Job machen oder einfach ihr Leben leben.
Das geht soweit, dass sich Nationalräte derart ereifern, im Parlament Vorstösse zu starten, deren einziges Ziel ist, eine ganze Berufsgruppe in die Pfanne zu hauen. Dabei spielt es keine Rolle, ob persönliche Prinzipien kurzzeitig in Vergessenheit geraten.
Dieses Spiel kennen wir schon länger. Ob die Personen nun Sarasin, Goltermann, Schutzbach, Sommaruga, Leuthard, Wyss oder Spiess-Hegglin heissen. Sobald sich Personen mit abweichender Meinung exponieren wird als erstes versucht, die Person zu demontieren.
Werden aber Details aus den eigenen Reihen bekannt, gelten sehr schnell andere Massstäbe. Mit dem rechten Mob ist keine Politik zu machen. Wer ausschliesslich auf nicht genehme Personen und deren Meinung zielt, soll sich in die Kommentarspalten der Boulevard-Medien verkriechen und seinen Platz in der Politik konstruktiven Kräften überlassen. Leuten, denen die Angelegenheiten der Schweiz noch am Herzen liegen und denen es zu blöd ist, einzelne Menschen zu mobben.
Da der Horizont allerdings derart beschränkt ist um das selber zu erkennen, liegt es an uns Wählern, hier auszusortieren.

30-60-90

Ich stelle jetzt mal frech eine Behauptung (denkanstoss) auf. Keine Ahnung ob sie in dieser Art bereits existiert und ich erhebe auch keinen Anspruch auf Exklusivität geschweige denn Richtigkeit. Ich gebe der Behauptung trotzdem den Namen 30-60-90

 

In den allermeisten Fällen leben 3 Generationen gleichzeitig. Zur ersten Generation (30er) zähle ich alle zwischen 0 und 30 Jahren. Die zweite Generation (60er) sind zwischen 30 und 60 Jahre alt und die 90er ab 60plus.

Bei 2 dieser 3 Generationen war Fernsehen nicht von Beginn weg selbstverständlich. Erst die 30er sind von Beginn weg mit diesem Medium aufgewachsen.

Die NoBillag-Initiative stösst also 2 Generationen vor den Kopf, in dem sie etwas verändern will, das für viele nicht von Beginn weg selbstverständlich war.
Persönlich kommt die Nobillag-Initiative aus diesem Grund 1 Generation zu früh. Erst wenn die 60er Generation durch eine neue 30er ersetzt wurde ist es meiner Meinung nach Zeit für ein solches Anliegen wie #NoBillag

Selbsternannte Königinnen der Schöpfung

Liebe selbsternannte Königinnen der Schöpfung
Ja, Männer können Schweine sein, aber wir können nichts dafür, dass wir mit einem Gehänge zwischen den Beinen geboren wurden. Eine Hetzjagd auf das mit Schwänzen ausgestattete Geschlecht hat die Mehrheit nicht verdient. Bitte pauschalisiert also nicht und pickt euch die echten Schweine heraus. Eure loyalen Untergebenen helfen beim Schlachtfest gerne mit.
Warum schreibe ich das?
Es ist eine beschissene Situation, wenn du nicht aus der Opferperspektive argumentieren kannst und mit einem Veto Gefahr läufst, in eine Täterrolle gedrängt zu werden. Du riskierst, dass dir Verharmlosen oder sogar Sympathien für Schweine unterstellt werden.
Liebe selbsternannte Königinnen der Schöpfung, stellt eurem Gegenüber klar, wenn euch etwas nicht gefällt. Die mit dem Gehänge zwischen den Beinen haben dafür leider wenig Gespür. Woran das liegt, weiss ich nicht. Es kann nämlich nicht sein, dass wir (die mit dem denkenden Geschlechtsteil) eine Äusserung in aller Konsequenz durchdenken und unser Gegenüber auf mögliche Reaktionen analysieren müssen, bevor uns etwas aus dem Mund rutscht.
PS: Bei Berührungen gelten selbstverständlich andere Regeln!

Karten auf den Tisch

Ich blogge nun schon seit einigen Jahren. Heute ist aber erstmals ein Mail bei mir eingetroffen, das mich sehr freundlich auf meine mittlerweile doch recht provokative Schreibweise aufmerksam gemacht hat.

Ich bin mir dessen durchaus bewusst und möchte hier eine kurze Erklärung dazu abliefern.

Ich habe zur Zeit einen, glücklicherweise sehr glimpflich abgelaufenen Schicksalsschlag, zu verarbeiten. Ich hatte Ende Juni einen Schlaganfall erlitten, der mich zuerst ins Spital und anschliessend in die Reha brachte. Körperlich ist eigentlich soweit wieder alles beim Alten. Allerdings trage ich noch immer ein paar psychische Narben mit mir herum. Es ist scheinbar nichts aussergewöhnliches, dass sich Menschen nach einem Schlaganfall noch über längere Zeit mit Depressionen herumschlagen. Das gilt auch für mich. Im Kopf habe ich das Ereignis sicher noch nicht verarbeitet und das äussert sich zuweilen auch in schriftlichen Ausbrüchen. Das ist keine Entschuldigung, denn das, worüber ich schreibe hat sich nicht geändert. Aber die Wortwahl ist definitiv schärfer geworden. Das bedauere ich und ich werde mir Mühe geben, wieder zurück zu mehrheitlich objektiven Texten zu finden. Die spitze Zunge wird aber bleiben, einfach fair soll sie wieder werden 😉

Ich hoffe, ihr übt noch ein wenig Geduld mit mir und ihr meldet euch, wenn ich es übertreibe. Ich bin immer offen für ein Gespräch und auch gerne bereit Korrekturen und Entschuldigungen anzubringen, wenn ich mal zu weit gehe. Mein Blog wird aber mit Sicherheit kein Weichspüler-Account werden. Ich bleibe kritisch und stehe zu meiner Meinung.

Vielen Dank für euer Verständnis

Gedanken zum Verhüllungsverbot

Mir schwirren ein paar Gedanken im Kopf, die ich hier mal notieren möchte. Es geht mir dabei um die Rechte der Frauen. Auf den ersten Blick ist es auch für mich einleuchtend, dass ein Verbot Chancen für unterdrückte Frauen bietet, die sich nicht ohne ein Stück Tuch um den Kopf aus dem Haus begeben dürfen.

Dieses Argument zieht allerdings nur dann, wenn dies bei jeder Frau der Fall wäre. Wenn eine Frau sich aus freien Stücken und aus Überzeugung verhüllt, dann wird ihr mit dem Verbot die Möglichkeit genommen, sich so in der Öffentlichkeit zu bewegen, wie sie das gerne möchte.

Frauen, die sich unter Zwang verhüllen müssen, laufen aber auch in Gefahr, dass sie unter Hausarrest gestellt werden und das Haus aufgrund des Verhüllungsverbotes gar nicht mehr verlassen dürfen.

Ein Verbot, gerade in Bezug auf die Gesichtsschleier ist aus meiner Sicht keine Lösung. Im Gegenteil, es kann sogar dazu führen, das sich die Situation der Frauen verschlechtert. Gesetze, die ein solches Handeln und Unterdrücken von Menschen verbieten sind heute bereits vorhanden. Noch dazu sind sie als Opferschutz ausgelegt. Beim Verhüllungsverbot allerdings bestraft man unter Umständen nicht die Täter, sondern wie ausgeführt, die eigentlichen Opfer.

Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass es hier so oder so nur um eine Stellvertreterdiskussion handelt. In Tat und Wahrheit geht es den meisten Befürwortern vermutlich nur um den Islam als Religion.

Ihr Bünzlis könnt mich mal!

So ihr Revolutionäre, ihr linksalternativen Kulturschaffenden und Kommerzclubpartyvolk, ihr Ladenbesitzer, Hauseigentümer, Anwohner, Dompfarrer, Saitenschreiber und Tagblattleser. Ihr Stadtparlamentarier und Bewilligungsverteiler, ihr Geldgeber und Rathaussesselkleber, ihr FestspielVIPs und Openairchiefs wollt immer Alles, aber nichts teilen.
Wir alle sind Bünzlis! Wir schaffen es nicht, gemeinsam im Stadtpark für eine lebenswerte Stadt zu kämpfen, wir schaffen es nicht, eine nostalgische Chilbi auf dem Gallusplatz ohne Misstöne zu organisieren und wir schaffen es nicht, ein kleines Jazzin Festivals weiterzuführen. Spielplatzsitzer werden vertrieben und Gouvernanten in Uniform versuchen sich als Tante Klara auf den Hügeln und in der Innenstadt.
Nein, es liegt nicht immer am Geld, es liegt an all den Ansprüchen, die wir Bünzlis an jede noch so kleine Hundsverlochete haben. Sie muss perfekt sein und sie darf auf keinen Fall Lärm machen. Das Bier muss immer gleich viel kosten und die Bratwürste sind durchnormiert. Auf den Sonnenschirmen muss ein Schütze sichtbar und die Festbänke von der Feuerwehr geprüft sein.
Passt uns Bünzli nur ein einziges kleines Detail nicht, dann ist Aufstand angesagt.
Wenn aber eine Revolution gegen den Bünzli in uns allen ausgerufen wird, dann, dann kommt niemand!

Wir wollen etwas ändern? Wir wollen eine lebendige Stadt? Jeder soll sein Plätzchen finden?
Tja, wenn unseraller Bünzli stärker ist als der Wille, gemeinsam etwas zu verändern, dann können wir die Stadt auch zu Grabe tragen. Fragt sich nur, ob wir uns auf ein passendes Sargmodell einigen können.

140 Zeichen reichen nicht #SchweizerAufschrei

Nein, keine Abhandlung und auch keine Einschätzung.
Nur eine kurze Erklärung.

Ich hatte zu Beginn der Aktion #SchweizerAufschrei drei Optionen:

A) Ich schweige und lass den Hashtag einfach an mir vorüberziehen. Da ich das Thema für sehr wichtig halte war das keine wirkliche Alternative.

B) Mit der Strömung der meist gleichgesinnten Menschen in meiner Timeline mitschwimmen. Das war mir zu einfach.

C) Den Offroad-Kurs einschlagen und anstatt Schwarz/Weiss die Grauzonen ausleuchten.

Ich habe mich für Option C) entschieden.

Ich wusste, dass es nicht einfach ist gegen den Strom zu schwimmen. Nun muss ich mich aber mittlerweile für jedes einzelne Wort rechtfertigen, damit ich nicht plötzlich in die Kategorie der Troll oder „Befürworter von sexueller Belästigung“ einsortiert werde.

Das meine liebe Follower bin ich nicht. Ich bin weder ein Troll und noch einer, der Grabschen oder anzügliche Bemerkungen befürwortet. Ich bin auch kein „Da muss man sich wehren, aber…“-Typ. Weil aber die Trolle angefangen haben, meine Tweets zu liken und die liebgewonnen, ansonsten meist differnzierenden Follower nicht verstehen wollen um was es mir geht, wechsle ich mangels Motivation mich stets zu rechtfertigen, zu Option A)

 

Keine Gefahr sondern Konkurrenz und Treiber

Mir ist klar, das all die Ubers, Flixbusse, AirBnB und wie die Dienstleistungen alle heissen, ihre Probleme mit Arbeitsbedingungen und Vorschriften haben.
Titel wie „…sind eine Gefahr für…“ lasse ich aber nicht gelten.
Alle diese Dienstleistungen nutzen „neue“ Technologien und dringen in überregulierte Märkte ein, die sich über Jahrzehnte hinweg nicht weiterentwickelt haben. Das gleiche gilt auch für Ladengeschäfte, die sich durch Onlinehandel (wohl zurecht) bedroht fühlen.
Ich bin sicher einige dieser neuen Angebote werden nicht überleben, dann nämlich, wenn sich die traditionellen Anbieter aus ihren Sesseln erheben und ebenfalls nach vorne blicken.
Uber und Konsorten sind keine Gefahr, sie sind Konkurrenz und Antreiber. Die Politik ist gefordert. Rahmenbedingungen müssen angepasst werden. Alle sollen gleichlange Spiesse haben, aber nicht so, dass jahrzehntealte Geschäftsmodelle geschützt werden, sondern so, dass ein Fortschritt für Wirtschaft, Arbeitnehmer und Kunden möglich wird!