Ihr Bünzlis könnt mich mal!

So ihr Revolutionäre, ihr linksalternativen Kulturschaffenden und Kommerzclubpartyvolk, ihr Ladenbesitzer, Hauseigentümer, Anwohner, Dompfarrer, Saitenschreiber und Tagblattleser. Ihr Stadtparlamentarier und Bewilligungsverteiler, ihr Geldgeber und Rathaussesselkleber, ihr FestspielVIPs und Openairchiefs wollt immer Alles, aber nichts teilen.
Wir alle sind Bünzlis! Wir schaffen es nicht, gemeinsam im Stadtpark für eine lebenswerte Stadt zu kämpfen, wir schaffen es nicht, eine nostalgische Chilbi auf dem Gallusplatz ohne Misstöne zu organisieren und wir schaffen es nicht, ein kleines Jazzin Festivals weiterzuführen. Spielplatzsitzer werden vertrieben und Gouvernanten in Uniform versuchen sich als Tante Klara auf den Hügeln und in der Innenstadt.
Nein, es liegt nicht immer am Geld, es liegt an all den Ansprüchen, die wir Bünzlis an jede noch so kleine Hundsverlochete haben. Sie muss perfekt sein und sie darf auf keinen Fall Lärm machen. Das Bier muss immer gleich viel kosten und die Bratwürste sind durchnormiert. Auf den Sonnenschirmen muss ein Schütze sichtbar und die Festbänke von der Feuerwehr geprüft sein.
Passt uns Bünzli nur ein einziges kleines Detail nicht, dann ist Aufstand angesagt.
Wenn aber eine Revolution gegen den Bünzli in uns allen ausgerufen wird, dann, dann kommt niemand!

Wir wollen etwas ändern? Wir wollen eine lebendige Stadt? Jeder soll sein Plätzchen finden?
Tja, wenn unseraller Bünzli stärker ist als der Wille, gemeinsam etwas zu verändern, dann können wir die Stadt auch zu Grabe tragen. Fragt sich nur, ob wir uns auf ein passendes Sargmodell einigen können.

140 Zeichen reichen nicht #SchweizerAufschrei

Nein, keine Abhandlung und auch keine Einschätzung.
Nur eine kurze Erklärung.

Ich hatte zu Beginn der Aktion #SchweizerAufschrei drei Optionen:

A) Ich schweige und lass den Hashtag einfach an mir vorüberziehen. Da ich das Thema für sehr wichtig halte war das keine wirkliche Alternative.

B) Mit der Strömung der meist gleichgesinnten Menschen in meiner Timeline mitschwimmen. Das war mir zu einfach.

C) Den Offroad-Kurs einschlagen und anstatt Schwarz/Weiss die Grauzonen ausleuchten.

Ich habe mich für Option C) entschieden.

Ich wusste, dass es nicht einfach ist gegen den Strom zu schwimmen. Nun muss ich mich aber mittlerweile für jedes einzelne Wort rechtfertigen, damit ich nicht plötzlich in die Kategorie der Troll oder „Befürworter von sexueller Belästigung“ einsortiert werde.

Das meine liebe Follower bin ich nicht. Ich bin weder ein Troll und noch einer, der Grabschen oder anzügliche Bemerkungen befürwortet. Ich bin auch kein „Da muss man sich wehren, aber…“-Typ. Weil aber die Trolle angefangen haben, meine Tweets zu liken und die liebgewonnen, ansonsten meist differnzierenden Follower nicht verstehen wollen um was es mir geht, wechsle ich mangels Motivation mich stets zu rechtfertigen, zu Option A)

 

Keine Gefahr sondern Konkurrenz und Treiber

Mir ist klar, das all die Ubers, Flixbusse, AirBnB und wie die Dienstleistungen alle heissen, ihre Probleme mit Arbeitsbedingungen und Vorschriften haben.
Titel wie „…sind eine Gefahr für…“ lasse ich aber nicht gelten.
Alle diese Dienstleistungen nutzen „neue“ Technologien und dringen in überregulierte Märkte ein, die sich über Jahrzehnte hinweg nicht weiterentwickelt haben. Das gleiche gilt auch für Ladengeschäfte, die sich durch Onlinehandel (wohl zurecht) bedroht fühlen.
Ich bin sicher einige dieser neuen Angebote werden nicht überleben, dann nämlich, wenn sich die traditionellen Anbieter aus ihren Sesseln erheben und ebenfalls nach vorne blicken.
Uber und Konsorten sind keine Gefahr, sie sind Konkurrenz und Antreiber. Die Politik ist gefordert. Rahmenbedingungen müssen angepasst werden. Alle sollen gleichlange Spiesse haben, aber nicht so, dass jahrzehntealte Geschäftsmodelle geschützt werden, sondern so, dass ein Fortschritt für Wirtschaft, Arbeitnehmer und Kunden möglich wird!