Die 130 Milionen-Antwort

Ich habe gegen Ende Jahr im Stadtparlament eine einfache Anfrage mit dem Titel „Kann die Bibliothek an ihrem heutigen Standort bleiben?“ eingereicht. Mittlerweile ist die schriftliche Antwort des Stadtrates eingetroffen.

Ich bin massiv enttäuscht. Ich weiss, es ist eine Kunst, Fragen zu stellen und ich bin nicht wirklich gut darin. Allerdings erwarte ich von unserem Stadtrat auch Mitdenken.

Ich frage mich wirklich, ob es Sinn macht, eine geminsame Bibliothek im Union einzurichten, wenn doch in der Hauptpost alles so perfekt ist:

In der Bibliothek Hauptpost hat sich die Zusammenarbeit der Teams von Kantons- und Stadtbibliothek nach mehr als zwei Jahren als grosser Erfolg herausgestellt. Die Kooperation klappt ausgezeichnet und strahlt auch auf die Atmosphäre in der Bibliothek aus

Quelle: Projekt neue Bibliothek

Wir sprechen hier nicht von einem kleinen Umzug und einer einfachen Zusammenlegung von 3 Bibliotheken an einem Standort. Wir reden hier von einem Projekt mit geschätzten Kosten von Einhundertdreissig oder in Zahlen: 130 Millionen Schweizer Franken!

Ich bin wirklich kein Baufachmann, aber ich behaupte, für diesen Betrag kann man sich sehr wohl auch in der Hauptpost einrichten.

Letztlich muss auch das Union-Gebäude so hergerichtet werden, dass es stabil genug ist. Und das Gebäude wird exklusiv für die Bibliothek eingerichtet. Es ist aber so, dass der Kanton und die Stadt hier nur Mieter sind. Das Gebäude gehört der Helvetia Versicherung.
Man ist also auf Jahrzehnte hinaus als Mieter an diese Liegenschaft gebunden. Ob sich die Privatindustrie auf eine solche Verpflichtung einlassen würde? Ich weiss nicht so recht.

Und es ist kein Geheimnis, das der Kanton gerne mal in einer Kurzschlussaktion Tatsachen schaffen will. Ich erinnere an den geplanten Wegzug der Berufsfachschule von St.Gallen nach Rorschach. Die mit einer Aussage von Regierungsrat Kölliker begleitet wurde:

«Will uns die Stadt denn gratis ein Gebäude zur Verfügung stellen?»

RR Kölliker im St.Galler Tagblatt vom 21.1.2021

Anders die Hauptpost. Dort ist die Eigentümerin der Kanton St.Gallen. Es braucht als keinen eigentlichen Mietvertrag und die Investitionen in die Hauptpost bleiben dem Steuerzahler erhalten.

Letzlich frage ich mich einmal mehr, ob die Stadt am Rockzipfel des Kantons hängt und einfach das tun muss, was der Kanton will.
Denn die Absichten sind für mich klar. Die Hauptpost soll als Erweiterung und Providurium für die Fachhochschule herhalten. Unser Bildungsdepartement hat in den letzten Jahren aber derart viel Geld in Bildungseinrichtungen gesteckt (Campus Platztor, Gewerbeschule Riethüsli, Campus Wattwil) , dass eine Erweiterung der Fachhochschule am Bahnhof Nord noch lange nicht realisiert werden kann.

Damit verliert die Stadt auf ganzer Linie. Das Areal Bahnhof Nord wird noch Jahrzehnte eine Brache bleiben und sie kann nichts dagegen tun. Bei der neuen Bibliothek zahlt sie einfach mit und wie man an der Antwort des Stadtrates erkennen kann, hat sie ebenfalls nichts zu melden.

Es reicht nicht, wenn Maria Pappa fragt:

Der Kanton muss sich fragen, was für eine Hauptstadt er will. Dabei liegt es an uns zu zeigen, dass ein starkes Zentrum der ganzen Region Vorteile bringt.

Die Stadt muss dem Kanton gegenüber auch klar zeigen, welche Stadt sie denn sein will!

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