Meine Partei wird gerade heftig kritisiert, weil sie den Beitrag an die Standortförderung der Stadt St.Gallen streichen wollte.
Uns wird unterstellt, das wir damit bewusst dem Kongressstandort und der damit verbundenen Wertschöpfung schaden wollen. Das ist natürlich völliger Quatsch!
Gerne führe ich aus, weshalb die Unterstellung „die GLP sei aufgrund dieses Antrages sogar wirtschaftsfeindlich“ nicht zutrifft:
So stellt sich die Dienststelle Standortförderung im Rahmen der Kongressförderung selber dar
Quelle: Webseite Standortförderung der Stadt St.Gallen
Die Stadt St.Gallen unterstützt etablierte Kongresse und fördert neue Kongresse aus verschiedenen Themenbereichen und von unterschiedlicher Grösse (mindestens 100 Teilnehmende). Ziel ist es, Kongresse als Plattform für die Stärkung der Stadt St.Gallen als Wirtschaftsstandort, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und ICT zu nutzen.
Und was sagt die Leistungsvereinbarung der Stadt mit St.Gallen-Bodensee-Tourismus speziell mit dem Convention-Büro?
Quelle: Stadtparlament, Verein St.Gallen-Bodensee Tourismus: Leistungsvereinbarung 2023-2026
Im Zentrum steht die Weiterentwicklung und Umsetzung der bestehenden Kongressmarktstrategie: Vermarktung und Positionierung der Stadt St.Gallen als Messe-, Kongress- und Veranstaltungsort in den entsprechenden Zielmärkten und Clustern über die passenden Kommunikationskanäle. Akquisition von neuen Kongressen mit einem Fokus auf die städtischen Wirtschaftscluster ICT sowie Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Kompetenzträgern und
Netzwerken (St.Gallen Health, IT rockt! etc.).
Betreuung von bestehenden Veranstaltern mit dem Ziel, die Veranstaltung in St.Gallen zu halten. Zusammenführung und Entwicklung von Angeboten/Produkten oder Dienstleistungen für die Zielgruppe.
WIr haben also eine Dienststelle und einen Verein, die beide genau die selben Ziele haben!
Die Dienstelle Standortförderung erhält die Beträge in der Regel via Budget der Stadt und der Verein SGBT aufgrund einer mehrjährigen Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Zwei Player, die durch die Stadt (mit)finanziert werden.
Zum Antrag der Standortförderung im Budget 2026:
Gemäss Budget 2026 soll die Dienststelle Standortförderung für die Kongressförderung 92’000 CHF erhalten. Davon gehen 52’000 CHF an drei bereits etablierte Kongresse und 40’000 CHF sollen frei verfügbar sein
Quelle: Budget 2026, Vorlage im Stadtparlament
Die CHF 92’000 pro Jahr gliedern sich einerseits in frei verfügbare Fördergelder, welche für Kongresse eingesetzt werden, die per Budgetzeitpunkt noch nicht bekannt sind. Andererseits sollen drei langjährige und für den Standort sehr relevante Kongresse eine fixe Förderung erhalten, die bereits bisher mit Fördergeldern unterstützt wurden.
Und St.Gallen-Bodensee-Tourismus?
Der Verein SGBT erhält von der Stadt St.Gallen jährlich 440’000 CHF alleine für die Kongressförderung. Insgesamt sind es jährlich 780’000 CHF für die Leistungen von SGBT
Quelle: Stadtparlament, Verein St.Gallen-Bodensee Tourismus: Leistungsvereinbarung 2023-2026

Fazit:
Wir finanzieren die Kongress-Stadt via Standortförderung UND St.Gallen-Bodensee-Tourismus. Selbst wenn die via Budget direkt gesprochenen Unterstützungsgelder aus der Standortförderung kommen, bleibt es eine Tatsache. Wir fahren doppelspurig und das ist absoult unnötig. Wir müssen uns aufgrund der städtischen Finanzen und der intransparenten Förderung, Betreuung und Aquisition von Kongressen überlegen, wer hier den Job machen soll.
Das ist aber nicht wirtschaftsfeindlich, das ist Effizienz und Abbau von Bürokratie.
Weshalb die bürgerlichen Parteien nun der GLP Wirtschaftsfeindlichkeit unterstellen, darüber kann ich nur mutmassen….
Wer sparen will, muss (vermeintliche) heisse Eisen anfassen. Das braucht Mut, es sei denn, man denkt eindimensional und will auf keinen Fall seine Wähler verärgern. Dann sollte man in einer Budgetdebatte für das nächste Sparprogramm aber nicht mit zukünftigen harten Einschnitten in Sachen Effizienz und überbordender Bürokratie drohen. Ehrlicher wäre es in jedem Budget Step by Step für mehr Transparenz und mehr Effizienz zu sorgen, so wie es sich die GLP mit dem Kürzungsantrag gewünscht hätte.
Ich bin nun gespannt, wie die neue Leistungsvereinbarung ab 2026 mit St.Gallen-Bodensee-Tourismus aussehen wird. Ich werde auf jeden Fall wieder genau hinschauen und mich wie schon beim Beitrag für die Kongressförderung an die Standortförderung gegen Doppelspurigkeiten und Ineffizienz wehren.
Denn nichts ist wirtschaftsfeindlicher als Ineffizienz und eine unkritische eindimensionale Haltung, nur weil man zu bequem ist, wenigstens einmal um die Ecke zu denken.
Aber so ist halt Politik. Alle haben sie ihre Prioritäten und beschäftigen sich lieber mit ihrer Grundhaltung und wehe, man hat den Mut über den Tellerrand zu schauen, dann bekommt man eins auf den Deckel. Und bekanntlich gilt das geflügelte Wort „Der Mutige wird belohnt“ nicht für die Politik. Da wird man zum angeblich unzuverlässigen Partner. Etwas das ich persönlich je länger je mehr sogar als ein eigentliches Lob empfinde.
