Gegenvorschlag Veloinitiative – Übersicht

Über die Festtage habe ich mir die Vorlage „Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Gegenvorschlag Velo-Initiative)„, die am 3. Mai im Stadtparlament beraten wird, etwas genauer angeschaut. Meine Gedankengänge und Vorabeiten für die Komission und das Parlament teile ich selbstverständlich gerne.

Hier eine Zusammenstellung der Velorouten mit Kosten in Millionen CHF und der geplanten Umsetzung.
Nicht enthalten sind das Veloabstellplatzkonzept, die Sofortmassnahmen Veloverkehr und die Velokampagne

ProjektGeplante UmsetzungKosten TotalKosten Stadt
Bahnhofstrasse
(teilweise Schlüsselprojekte Velonetz)
20242.811.45
Breitfeld, Allmendstrasse bis Hafnersbergstrasse20260.540.32
Gottfried-Keller-Strasse, Fluhweg – St.Georgen-Strasse; Neubau
Fussgängersteg (Brücke)
20241.400.28
Gründenmoosweg, Gründenmoosweg bis Gaiserwaldweg
(Schlüsselprojekte Velonetz)
20272.200.50
Gübsenstrasse, Gübsensee bis Sturzeneggstrasse; Aufwertung LV20260.600.36
Lerchenfeld; Veloachse20257.203.60
St.Leonhard-Brücke
(Schlüsselprojekte Velonetz)
20235.501.40
Teufener Strasse, Brandtobelstrasse bis Stadtgrenze20231.401.00
Tunnelweg; Aufwertung Unterführung für LV20261.250.75
Untereggen bis St.Gallen; Fuss- und Velobrücke (Anteil Stadt)20263.590.39
Veloschnellroute entlang Gleise, Haggenstrasse bis Zschokkestrasse
(Schlüsselprojekte Velonetz)
20231.001.00
Veloschnellroute Neuhofweg, Herisauer Strasse bis Gübsenweg20233.101.20

Meine Gedanken dazu:

Bahnhofstrasse:

In der Vorlage „Initiative zur Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Velo-Initiative); Bericht und Antrag des Stadtrats“ vom 23.3.2021 wurde der Abschnitt Bahnhofstrasse mit Totalkosten von 1.6 Mio und einem städtischen Anteil von 0.8 Mio beziffert. Die Kosten sind seither massiv angestiegen. Das muss der Stadtrat sicher begründen.

Quelle: Initiative zur Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Velo-Initiative); Bericht und Antrag des Stadtrats

Da die Bahnhofstrasse inkl. Geleise der Apenzellerbahn so oder so saniert werden muss, stellt sich hier die Frage, ob und wieviel letzlich aus dem Rahmenkredit verwendet werden muss. Das wäre aus meiner Sicht ein Onehin-Projekt, das nicht zwangsläufig auch Gelder aus dem Rahmenkredit benötigt. Etwas anders sieht es bei der Unterführung zur Rosenbergstrasse aus. Die steht auch im Aggloprogramm vom November 2016.

Quelle: Agglomerationsprogramm 3. Generation S. 109

St.Leonhard-Brücke

Im März 2023 beliefen sich die Gesamtkosten auf 6 Mio mit einem städtischen Anteil von 1.7 Mio. (In der Investitionsrechnung sind 4.6 Mio Gesamt und 1.2 Mio Stadt vorgesehen). Im Rahmenkredit sind die Gesamtkosten um 500’000 CHF tiefer kalkuliert, während der städtische Anteil um 200’000 CHF angestiegen ist.

Ebenfalls bemerkenswert:

Massnahmen, bei
welchen davon ausgegangen wird, dass die Krediterteilung erfolgen kann, bevor der Rahmenkredit
zur Verfügung steht, scheiden für die Aufnahme in den Rahmenkredit aus. Gemäss aktuellem Stand
sind davon die Massnahmen an der St.Leonhard-Brücke (LV-Passerelle), der St.Leonhard-Strasse
(LV-Tunnel) und der Schönbüelstrasse betroffen.

Initiative zur Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Velo-Initiative); Bericht und Antrag des Stadtrats

Das heisst in diesem Fall, wenn die St.Leonhardsbrücke einen Tick früher ins Stadtparlament gekommen wäre, dann würde sie hier rausfallen 😉 Man kann jetzt dahinter eine Strategie des Stadtrates vermuten. Hat der Stadtrat die Brückenverbreiterung absichtlich nach hinten geschoben? Das wäre nicht abwegig, denn das Vorhaben ist nich unumstritten. So umgeht der Stadtrat die Diskussion und finanziert die Verbreiterung über den Rahmenkredit. Mit dem Nachteil, das fast 10% des Rahmenkredites „verloren“ geht.

Ebenfalls ein solches, „strategisches“ Vorgehen ist der erwähnte Velotunnel. Dieser ist an der selben Sitzung vom 3.5.2022 traktandiert.
Der Verpflichtungskredit wird somit separat gesprochen und wird nicht über den Rahmenkredit gedeckt.

Noch ein Punkt ist offen. Was passiert mit der St.Leonhardsbrücke, falls irgendwann mal die Engpassbeseitigung kommt? Gemäss den Ideen aus dem Soundingboard ist eine weitere Verbreiterung nicht abwegig.

Veloschnellroute Neuhofweg

Auch hier sind die Kosten ein Thema. Während die Gesamtkosten gleich hoch sind wie in der Vorlage „Initiative zur Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Velo-Initiative); Bericht und Antrag des Stadtrats“ ist der Anteil der Stadt von 0.8 Mio. auf 1.2 Mio angewachsen.

Teufener Strasse, Brandtobelstrasse bis Stadtgrenze

Hier findet sich die grösste Abweichung zwischen dem Gegenvorschlag zur Veloinitiative gegenüber dem vorliegenden Rahmenkredit.
Im März 2021 hatte der Stadtrat das Projekt noch Gesamtkosten von 7 Mio veranschlagt. Der städtische Anteil betrug 2.2 Mio
Im Rahmenkredit kommt nun das ganze Vorhaben massiv günstiger, nämlich auf 1.4 Millionen resp. 1 Millionen für die Stadt. Was genau die Unterschiede sind, muss mir der Stadtrat noch erklären

Untereggen bis St.Gallen; Fuss- und Velobrücke (Anteil Stadt)

Auch die Velo- und Fussgängerbrücke ist schon etwas älter. Sie ist ebenfalls im Agglomerationsprogram der 3. Generation mit drin:

Quelle: Agglomerationsprogramm 3. Generation S. 125

Irgendwie fehlt mir in der Vorlage ein Fazit, was der Stadtrat mit den eingesetzten 15 Millionen erreicht. Irgendetwas greifbares im Sinn des Gegenvorschlages

«Bis 2030 soll der Anteil der Wege, welche von der Stadtbevölkerung auf dem Stadtgebiet mit dem
Velo zurückgelegt werden, verglichen mit dem Jahr 2015 (innerstädtischer Modalsplit; Stand Mikrozensus 2015: 4 %) deutlich erhöht werden. Für die Erreichung dieses Vorhabens sei ein Rahmenkredit von 15 Millionen Franken zu bewilligen.»

Initiative zur Förderung des Veloverkehrs in der Stadt St.Gallen (Velo-Initiative); Bericht und Antrag des Stadtrats

Meiner Ansicht nach sollte der Stadtrat hier für die eingesetzten 15 Millionen zumindest eine grobe Zahl liefern, wie hoch er die vorgeschlagenen Massnahmen in ihrer Wirkung einschätzt.

Wie eingangs erwähnt, das ist nur meine Vorbereitung für die Komissionsitzung. Daraus ergeben sich Fragen, die wir an die Verantwortlichen stellen können. Einmal mehr gespannt, die Vorlage hat wesentlich mehr Fleisch am Knochen als ich ursprünglich gedacht hatte. Schliesslich wollen wir ja ein funktionierendes Velonetz, dürfen dabei aber auch die Kosten nicht aus den Augen lassen.

Update: Das St.Galler Tagblatt hat heute einen Übersicht veröffentlicht. Es lohnt sich auch dort noch einen Blick hinein zu werfen.

Update vom 21.4.2022

Je länger ich mich mit der Vorlage befasse, desto enttäuschter bin ich.
Es sind einige Projekte darunter, die die Stadt so oder so umsetzen wollte/musste. Zum Teil sind sie im Aggloprogramm von 2016 schon drin oder sie wurden beim Start zur „Velostadt“ bereits geplant. Jetzt kommt der Rahmenkredit von 15 Millionen und man packt auch Projekte rein, die onhein auf der Traktandenliste stand. Die St.Leonhardsbrücke oder die Goldachtobelbrücke nach Untereggen. Bei anderen Projekten will man das was schon besteht „vergolden“. Beispiel Teile des Areals Burgweiher oder rund um den Gübsensee.

Ich bin der Meinung, das war nicht im Sinne des Stadtparlamentes, als es den Gegenvorschlag zur Veloinitiative gutgeheissen hat. Der Gegenvorschlag soll die Stadt nach Vorne bringen und nicht einfach das finanzieren, was onehin schon geplant war. Ein Buebätrickli des Tiefbauamtes, eine indirekt Sparmassnahme durch den Stadtrat? Ich weiss es noch nicht.

3 Kommentare

  • Martin Hächler

    Guten Tag Herr Baur

    Vielen Dank für die Zusammenstellung. Es ist klar, dass man bei einem solchen Vorhaben nicht überall einverstanden ist. Im grossen und ganzen sind die Projekte aber sinnvoll und werten das Velofahren in der Stadt auf. Erste Kritik, …oder werten das Velofahren am StadtRAND auf. Bei 15 Projekten sind dies 6 (Breitfeld, Gründenmoosweg, Gübsenseeweg, Verbindung SG-Teufen, Neuhofweg, Brücke Untereggen) die Velo-Verkehrsprobleme eher am Stadtrand beheben, und es sind nur 2 Projekte die die Innenstadt betreffen (Bahnhofstrasse, St.Leonhardbrücke). Zb. ist doch der Hauptbahnhof St.Gallen ein Velo Hotspot und wird nirgends erwähnt, die Situation vor der Fachhochschule muss mit in einem 15 Mio Projekt behoben werden können, das darf man erwarten.

    Zudem wird einer konkreten, sinnvollen Strategie wie Velofahren in der Innenstadt sicherer und attraktiver werden, soll zu wenig Rechnung getragen. Ja da gibt’s diese Kampagngen zur Rücksichtnahme und es gibt dann Velopropaganda bei Kindern.
    Als Velofahrer wünscht man sich eine solche Kampagnen für ALLE Verkehrsteilnehmer. Vor allem da die Stadt ja will, dass man die Veloschnellroute explizit meiden soll bei Rush-Hour, heisst Velofahrer sollen auf die schlecht markierten und tendenziell unsicheren Strassen mit motorisiertem Verkehr ausweichen.

    Auch fehlt die weitere Umsetzung „Rechts-Abbiegen bei Rot“, flüssig und sicher durch die Stadt heisst auch, bei Kreuzungen nicht unnötig warten zu müssen (Abbiegen bei Rot, reine Fussgängerampeln zb. bei Badi Lerchenfeld). Klar, das ist nicht Teil des Projekts aber Ziel der Initiative war es den Veloverkehr zu fördern in dem man sinnvolle Massnahmen umsetzt. Dann ist das Geld vielleicht auch dazu da, der Stadtpolizei aufzuzeigen wo sie Velo-Nachholbedarf haben.

    Ich bleibe gerade im Lerchenfeld und betrachte das mit 7,2 Mio teuerste Projekt „Neue Achse am Burgweiher“. Da muss man festhalten, dass der ganze Burgweiher-Weg bereits ein gut ausgebauter und sicherer Veloweg ist. Auch weiter nach Westen bis zur EMPA/Startfeld ist der Veloweg kein Problem, danach auszubauen bis zur Erlachstrasse macht aber nur Sinn, wenn der Veloweg sicher und ohne viele Kreuzungen in den Veloweg Zürcherstrasse mündet und nicht irgendwo im Quartier versandet.
    Auch wäre begrüssenswert wenn man mit dem Velo den vor zwei Jahren erstellten Burgweiher-Park durchqueren könnte. Dies wäre eine sehr schnelle und sichere Verbindung von Fürstenlandstrasse und Zürcherstrasse.

    Wo wir auch gleich bei den kleineren sofort umsetzbaren Massnahmen sind, da fehlt einfach das Gesamtkonzept – sind diese 1,5 Mio dafür da, die Velo-Strassen-Markierungen entweder bei unnützen Orten die Überbleibsel zu entfernen oder an sinnvollen Orten die Markierungen zu-Ende zu Zeichnen? Da wären wir auch beim grössten Kritikpunkt angelangt.

    Sind in diesen 15 Mio und den diversen Projekten auch Gelder drin für einen Verkehrsplaner der sich mit Velo auskennt, also kauft man sich auch Knowhow oder hofft man allein mit diesen Massnahmen, dass es gut kommt? Weil alle diese Massnahmen nützen nichts, wenn danach Velomarkierungen im Nirgendwo enden, wenn Randsteine permanent zu hoch sind, wenn „Bäume in Säcken“ den Weg versperren, wenn Autofahrer Velowege blockieren, wenn Veloständer unhandlich sind, kann man danach auch auf der „falschen“ Seite über die St.Leonhardsbrücke ohne eine Busse zu bekommen? – wer sorgt dafür, dass auf solche Sachen geachtet werden? Wo ist das Konzept welches planerische Grundsätze für Velos festhält und welches bei der Umsetzung von zukünftigen (Strassen)-baulichen Massnahmen berücksichtigt werden muss? Oder diskutieren wir die Velogrundsatzfragen bei jedem Städtebaulichen Projekt in St.Gallen neu? Wo wird das Velo Knowhow gesichert und weiterentwickelt oder erhofft man sich, dass es mit der Umsetzung bis 2030 getan sei? Was passiert danach?

    • Vielen Dank für den sehr konstruktiven und ausführlichen Kommentar.

      Sie haben einige Punkte aufgezählt, die auch mich beschäftigen. Je länger ich mich mit dem Pauschalkredit beschäftige, desto mehr gelange ich zur Erkenntnis, dass man zu wenig herausholt, resp. an einigen Stellen etwas plant, dass nicht zwingend zuoberst auf der Prioritätenliste stehen müsste.
      Ich nehme ihren Input ebenfalls mit an die Komissionssitzung und werde sicher kritische Fragen stellen. Ich bin gespannt auf die Erklärungen des Baudepartementes.

  • Einige Unklarheiten die ich nach dem Überfliegen der Unterlagen noch habe:

    – Wie ist da die Wegführung in der Innenstadt bzw. Altstadt vorgesehen? (z.B. der Abschnitt Bahnhof Nord – OST – Rosenbergstrasse)

    – Wird bei der Veloachse Lerchenfeld der Neubau des Innovationsparks bei der EMPA mitberücksichtigt? (Von der Website des Innovationsparks: «Eine von drei Erweiterungsetappen befindet sich bereits in der Detailplanung, womit ein Baustart bereits im Jahr 2022 möglich ist.»)

    – Sind besondere Beschilderungen oder Strassenmarkierung geplant um die Vorzugsrouten / Veloschnellrouten zu kennzeichnen? (wie z.B. grüne Strassenränder in Zürich)

    Vielleicht wissen Sie da mehr oder könnten diese Themen an der nächsten Sitzung ansprechen.

    Weiter finde ich auch, dass man mit diesem Kredit mehr hätte rausholen können / sollen. Wie Sie schon erwähnt haben, waren ja viele dieser Projekte schon länger vorgesehen. Nach der Website der Stadt sind auch noch viele weitere Massnahmen nötig (https://www.stadt.sg.ch/home/mobilitaet-verkehr/velo-fussverkehr/veloprojekte/ausbau-velonetz.html).

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