Gesetz der Trivialität

Ein gewisser Herr Parkinson, von Beruf Historiker hat in den 60er Jahren einige, meist satirisch gemeinte, Gesetze aufgestellt die insbesondere die Verwaltung und Bürokratie betreffen.

Ich erlaub hier mein eigenes Parkinschonse Gesetz zu formulieren, dass man sehr einfach aus den bestehenden ableiten kann:

Je höher eine geplante Investition ausfällt, desto leichtfertiger wird mit den Zahlen jongliert

Eigenkreation M. Baur

Ein Paradebeispiel dafür ist die neue Bibliothek.

Stand heute soll sie rund 137 Millionen kosten oder um es etwas deutlicher zu schreiben: 137’000’000 Schweizer Franken.
Dazu darf man gerne wissen, dass der Kanton St.Gallen das Gebäude der Hauptpost im Jahr 2009 für 29 Millionen (29’000’000 CHF) gekauft hat, mit der Absicht, darin eine gemeinsame Bibliothek unterzubringen. Den Ausbau dafür hatte der Kanton auf rund 70 Millionen (70’000’000 CHF) geschätzt. Das ist, wie wir ja jetzt wissen hinfällig, weil die neue Bibliothek bekanntlich am Blumenmarkt/Marktplatz einen Neubau plus einen Umbau des Union-Gebäudes bekommen soll.

Nach dem Kantonsratsbeschluss von 2004 entsteht ab 2006 ein Konzept für eine gemeinsame St.Galler Bibliothek, in der die Kantonsbibliothek Vadiana, die Freihandbibliothek sowie die Frauenbibliothek Wyborada unter einem Dach zusammengeführt werden sollen. Das Ziel ist eine gemeinsame, grosszügig ausgestattete Publikumsbibliothek für alle Altersgruppen. Der Kanton St.Gallen kauft 2009 das Hauptpost-Gebäude mit dem Ziel, dort die zukünftige Bibliothek unterzubringen. Im Jahr 2011 wird das Projekt einer gemeinsamen Bibliothek aufgrund des kantonalen Sparprogramms sistiert und es soll nur für die Kantonsbibliothek, wo akute Platznot herrscht, eine provisorische Lösung gefunden werden.

Quelle: Chronik Projekt Neue Bibliothek

Was hat das jetzt genau mit dem Gesetz der Trivialität nach Baur zu tun?

Im Stadtparlament kommt es öfters vor, dass gewisse Ausgaben eine grössere Debatte auslösen. Zum Beispiel ein Betrag von 4000 CHF für einen Social Media Liveticker oder Beiträge an Kunst und Handwerk für 104’000 CHF. Hier wird gefightet und gerungen.

Wenn es dann aber um Millionenbeträge geht, dann kommen die Beträge so locker über die Lippen, als ob es darum ginge, wer beim Public Viewing das nächste Bier holt und bezahlt.

Anhand der Bibliothek schaut das dann so aus:

Würde die gemeinsame Bibliothek in der Hauptpost realisiert, dann kostet das mind. 90 Millionen (ursprünglich waren es mal 70 Millionen) Franken. Der Bau am Union kostet rund 137 Millionen. Differenz 47 Millionen, ein Klacks oder wie es Reto Voneschen Stadticker zur Medienmitteilung der Jungen FDP formuliert hat:

Quelle: Stadtticker St.Galler Tagblatt vom

Ihr seht, je höher die Beträge (90 Millionen sind ja nur unwesentlich weniger als 137 Millionen) sind, desto salopper jongliert man damit. Als wären es Sugus.

Wir alle tun gut daran, auch bei hohen Beträgen genau hinzuschauen. Es geht längst nicht immer um alles oder nichts, es geht um weniger oder mehr und das ist ein grosser Unterschied.

Die nächsten Investitionen warten schon. Hallenbad Blumenwies, VBSG Depot, Kunstmuseum usw.

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