Kein Anschluss unter dieser Hausnummer

Mitwirkungsverfahren, wie sie die Stadt und auch der Kanton aufgegleist haben finde ich eine Super Sache. Es ist möglich, sich anhand von Projektberichten und Situationsplänen über die geplanten Vorhaben vorab zu informieren und sich auch dazu zu äussern.
Eines dieser Mitwirkungsverfahren betrifft die Martinsbruggstrasse im Osten der Stadt.

Dort entsteht resp. besteht bereits eine Industrie- und Gewerbezone was ich sehr begrüsse. Die Bauparzellen konnten grösstenteils vergeben werden, es wurde investiert und gebaut. Es wurden Leitungen für Strom und Wasser verlegt, neue Zufahrtstrassen gebaut und ein Bach offengelegt. Soweit so gut.

Jetzt lese ich im technischen Bericht, dass der Verkehr bis 2040 jährlich um 1.2% zunehmen soll. Von 11’800 FZ/Tag auf 13’413 FZ/Tag

Quelle: Plan Nr. 02.02 Technischer Bericht mit Anhang(1891 kB, PDF)

Diese Verkehrsdichte entspricht undgefähr dem Aufkommen auf der Rorschacherstrasse im Neudorf oder der Rosenbergstrasse bei der Kreuzbleiche. Also nicht unerheblich.

Jetzt hat die Stadt aber ein Reglement, dass sie sich via Volksinitiative (Städteinitiative) geben liess. Darin steht, dass der motorisierte Individualverkehr plafoniert werden muss und allfälliger Mehrverkehr mit alternativen Verkehrsträgern aufgefangen werden muss.
Jetzt wurde ich in einem Kommentar ziemlich hart kritisiert, dass dies über die gesamte Verkehrsmenge der Stadt gesehen werden muss und nicht selektiv auf eine Strasse (hier die Martinsbruggstrasse) angewandt werden darf.

Das ist soweit korrekt. Nur stellt sich das Problem, dass Verkehr nicht einfach plötzlich da ist und wieder verschwindet, sondern er verteilt sich auf die umliegenden Strassen. Auch das müsste uns allen eigentlich klar sein.

Was also können wir tun um einerseits der Industrie- und dem Gewerbe zu dienen und andererseits aber auch den Verkehr unter Kontrolle zu behalten. Der Kanton und die Stadt schlagen in ihrem Mitwirkungsverfahren vor, Land zu kaufen, die Strasse zu verbreitern, Lichtsignalanlagen zu installieren, Bus und Velospuren einzuzeichnen und weil etwas mehr Fläche versiegelt wird, plant man auch noch Systeme zur Reinigung und Zurückhaltung für das Oberflächenwasser.

Die Stadtentwicklung vermarktet das Industriegebiet Martinsbrugg mit einer eigenen Broschüre. Was steht da drin:

Quelle: Dossier Martinsbrugg

Tiptop. Habt ihr die attraktive Erschliessung mit dem ÖV gefunden? Ich nicht. Dafür steht in der Broschüre, dass in dem Gebiet gerne auch Tiefgaragen mit max. 499 Parkplätzen gebaut werden können.

Quelle: Dossier Martinsbrugg

Ok, ein betriebliches Mobilitätsmanagement muss vorhanden sein und Publikumsintensive Nutzung (Einkaufszentrum zum Beispiel) sind nicht zulässig. Immerhin so etwas wie ein Ansatz um den Verkehr in Schach zu halten.

Quelle: Dossier Martinsbrugg

Aber eben, die ÖV-Anbindung wird mit keinem Wort erwähnt. Vieleicht, weil sie auch nicht erwähnenswert ist?


Mit dem Auto ist das Gebiet in 10min vom Stadtzentrum (steht so in der Broschüre) aus erreichbar. Mit dem ÖV sieht das für einen Montag zwischen 07:00 und 08:00 (Abfahrt Hauptbahnhof) so aus:

Quelle: VBSG Fastfinder

Und zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr für den Heimweg zum Hauptbahnhof gibt es diese Varianten

Es gibt auch noch den Bahnhof St.Fiden. Dort braucht der Bus rund 13min bis zur Schuppisstrasse. Ich habe aber nicht nachgesehen, wie die Bahnverbindungen zum Busfahrplan passen. Für Arbeitnehmer, die in der Stadt wohnen sicher gut machbar. Wer aber von ausserhalb kommt, der wird sich aufgrund der Fahrzeiten 2x überlegen, ob er oder sie nicht das Auto nehmen soll. Schliesslich haben auch nicht alle angesiedelten Unternehmen so geregelte Arbeitszeiten zwischen 08:00 Uhr und 17:00 Uhr

Worauf aber will ich eigentlich hinaus?

In der Stadt herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung. Wir konnten einige Areale für Industrie und Gewerbe erschliessen oder sind auf sehr gutem Weg. Nebst Martinsbruggstrasse ist auch die Piccardstrasse, die Mövenstrasse und auch die Zürcherstrasse in Entwicklung. Am westlichsten Stadtrand ist mit ASGO ein Gemeindeübergreifendes Projekt am Laufen.

Dann gibt es aber auch noch Pläne wie den Zusammenschluss der Bahnhöfe Haggen und Bruggen oder die Sportvision Ost im Gründenmoos die etwas weiter weg liegen aber gute Chancen haben.

Bei all diesen Projekten, Ideen und Vorhaben nimmt aus meiner Sicht die ÖV-Anbindung einen viel zu tiefen Stellenwert ein. Ich habe das Gefühl, man reagiert jeweils dann wenn die ersten Unternehmen eingezogen sind anstatt vorgängig zu schauen, wie man hier der Städteinitive und den pendelnden Arbeitnehmern gerecht werden könnte. Die Konsequenz, man malt gegen Ende einfach noch ein paar Linien auf die Strasse, sprayt ein Velosymbol aufs Troittoir und stellt einen Wegweiser zur nächsten Bushalestelle hin.

Dabei wissen wir alle, ÖV plant man nicht von Heute auf Morgen. Es ist eine durchaus komplexe politische und planerische Herausforderung, die Weitsicht erfordert.

Um zur Martinsbruggstrasse zurück zu kommen. An der ÖV-Anbindung ändert sich dort auch nach dem Einzug der mittlerweile zahlreichen Unternehmen nichts. Man beschränkt sich auch bei der besseren Erschliessung auf eine Busspur, erhöhte Haltekanten und plant die Haltestellen so, dass da auch mal Gelenksbusse halten können. Das wars, alles andere macht man für den MIV, der ja eigentlich nicht zunehmen dürfte.

Ein Kommentar

  • Markus Schait

    Mit dem Strassenbauprojekt ist eine neue Bushaltestelle auf der Kantonsstrasse für die Regionalbuslinien 120 und 242 vorgesehen. Dadurch verbessert sich die öV Erschliessung im Vergleich zu heute. In der Spitzenstunde bestehen 6 Verbindungen an den Hauptbahnhof St.Gallen mit einer Fahrzeit von ca. 15 Minuten.

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