Pro und Kontra St.Leonhardstrasse

Anfangs Woche hat die Stadt ihre Pläne zur Aufwertung und Sanierung der St.Leonhardstrasse – Oberer Graben der Bevölkerung präsentiert. Ich habe meine Meinung nicht geändert, das Tiefbauamt hat einen guten Job gemacht!

Sobald aber in Plänen Tempo30 auftaucht sind die Reaktionen jedoch vorprogrammiert. Die Stadt stirbt, Links-Grüne Ideologie und überhaupt, ihr wollt alle das Auto verbieten…..
Wir sind es uns (leider) gewohnt. Was aber, wenn man sich wirklich einmal die Mühe machen würde, Vor- und Nachteile einander gegenüber zu stellen? Also eben nicht ideologisch, sondern die Argumente für und gegen ein Projekt sauber aufzulisten. Ich mach das mal anhand dieser öffentlichen Mitwirkung

ThemaPro ProjektKontra Projekt
Tempo 30Bessere Erreichbarkeit für Fussgänger und ÖV Nutzendeschlechtere Erreichbarkeit für MIV
LärmInsbesondere an den Randstunden und in der Nacht massiv weniger Lärm
LuftqualitätVerbesserte Qulität durch weniger Schadstoffe
Zudem wirkt sich die Begrünung positiv auf die Luftqualität aus
SicherheitWeniger und vorallem weniger schwere Verkehrsunfälle
WasserEntsiegelte Flächen wirken sich deutlich positiv auf die Sickerungsfähigkeit aus
TemperaturEntsiegelte Flächen und Baumkornen senken die Temperatur markant
Subjektive WahrnehmungMehr Platz für Fussgänger, Ein grünes „Welcome der Stadt für Besucher und Pendlerausschliesslich Links-Grüne Ideologie

Ich bin gerne bereit, die Tabelle in beiden Spalten zu ergänzen, wenn dann auch gute Argumente resp. nachweisbare Punkte bei mir eintreffen.

Stand heute: Die Nachteile für die Autofahrenden sind im Vergleich zu den positiven Wirkungen derart marginal, dass man sie eigentlich vernachlässigen kann. Es sei denn, man will einfach mit 50 km/h durchfahren. Selbst wenn das nur selten tatsächlich auch möglich ist.

Dann taucht auf diesem Verkehrsabschnitt auch immer wieder der Begriff „Verkehrsorientierte Strasse“ resp. „Hauptverkehrsachse“ auf. Da scheiden sich jeweils die Geister, was denn jetzt genau was bedeutet. Die Intention ist aber soweit klar. Man nimmt die Strassenhierarchie als Argument für Tempo 50 und gegen Tempo 30. Dazu kann man sich hunderte von Seiten bei allen verkehrsrelevanten Organisationen und Ämtern reinziehen. Schlauer wird man nicht unbedingt. Dafür wird im Moment viel zu viel über das Thema diskutiert. Wirklich geregelt sind diese Fragen aber noch nicht und es gilt eigentlich die Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21)

Gerne liefere ich auch noch ein paar Zahlen zu diesem Strassenabschnitt:

Da wäre zum Einen die berühmt berüchtigte Auswertung der Verkehrsverteilung mit Hilfe von TomTom:

So sieht die Verteilung des Verkehrs vom Blumenbergplatz bis hin zur Teufenerstrasse und St.Leonhardbrücke aus:

Und so in umgekehrter Richtung

Auffallend ist, dass mehr als die Hälfte des Verkehrs irgendwo in der Innenstadt versickert. Der effektive Durchgangsverkehr liegt so bei rund 30 bis 40% was aus meiner Sicht den Begriff „Hauptverkehrsachse“ nicht rechtertigt. Aber darüber kann man auch streiten 😉

Hier noch die Zahlen aus dem Verkehrsmodell für die Engpassbeseitigung.
Der IST-Zustand, den Kanton und Stadt hier angeben beläuft sich auf 6900 Fahrten DTV auf dem Abschnitt St.Leonhardstrasse. An der Dicke der blauen Linie erkennt man, dass auf dem ABschnitt, der jetzt umgestaltet werden soll, deutlich weniger als die 6900 Fahrten erfolgen. Quelle: https://zubringer-gueterbahnhof.ch/downloads/

Man muss aber auch hier in die Zukunft schauen, so wie es Stadt und Kanton getan haben

Nimmt man den Referenzzustand 2040 SZand heute ohne den Anschluss Güterbahnhof dann sieht es gemäss Stadt und Kanton so aus:

Der Verkehr wird in Zukunft also abnehmen. Ob das jetzt für oder das Projekt spricht, diese Interpretation überlasse ich euch.

Spannend wird es jetzt, wenn wir die Zahlen der Gegener dieses Projektes (die Schnittmenge mit den Befürwortern des Anschluss Güterbahnhofs dürfte sehr gross sein). Auch hier gibt es ein Verkehrsmodell:

Mit Anschluss wird also der Verkehr in Richtung Stadt auf diesem Abschnitt von 6900 auf 8800 ansteigen.
Glaubt mir, das würde die Situation auf diesem Abschnitt für alle unerträglich machen. Ja, auch für die Autofahrer. Selbst dann wenn man keine Bäume pflanzt. Was das dann für die Pendler bedeuten würde könnt ihr euch ebenfalls ausmalen! Das entspricht in etwa dem heutigen Verkehr auf der Rosenbergstrasse und schreit nach einer ziemlich teuren Unter- oder Überführung, weil sonst bei diesem Fussgängeraufkommen weder die Erreichbarkeit für Fussgänger noch eine ausreichende Sicherheit gewährleistet ist.

Die Schlussfolgerung ist eigentlich einfach:

  • Kein Anschluss Güterbahnhof, weil der Strassenabschnitt so oder so kollabieren würde
  • Umsetzung dieses Vorhaben, damit wir Pendler und Besucher würdig empfangen können, damit Lärmemissionen erträglich werden, damit die Luftqualität steigt, damit die Verkehrssicherheit verbessert wird und das ohne, dass die Autofahrer gross Abstriche machen müssen. Alles bleibt erreichbar und das mit Tempo 30 vermutlich sogar nocch besser als Stand heute