Schaffhausen vs. St.Gallen

Mit grossem Interesse habe ich die Entwicklung bei den Verkehrsbetrieben Schaffhausen (VBSH) verfolgt.
Die Stadt hat beschlossen, dass bis 2027 alle Dieselbusse durch elektrische Busse ersetzt werden sollen. Noch sind die Busse oder besser ieTram nicht im Linienbetrieb. Ein Vergleich, was in Schaffhausen anders gelaufen ist als in St.Gallen lohnt sich trotzdem:

Ausschreibung

Da wäre zum Einen die Ausschreibung nach GATT/WTO-Regeln. Etwas das es in St.Gallen nicht gab. Bei der Erneuerung der Fahrzeugflotte wurden von der VBSG die Modelle in Eigenregie ausgewählt.

Preis / Leistung

Dann ist da der Preis. Die VBSH bekommt für 57.9 Millionen sieben Standard- und acht Gelenkbusse, die Ladeinfrastruktur mit zwölf Ladearmen am Bahnhof, 16 Übernachtladern und einen Ladearm im Depot, die Software sowie umfassende Projektdienstleistungen.
St.Gallen bekommt für 37 Millionen:

Quelle: Abstimmungsbüchlein vom 25.11.2018

Fahrleitungen

Die VBSH ist durch die neuen ieTram in der Lage, Fahrleitungen zurückzubauen, während wir in St.Gallen ausbauen müssen. Übergangsweise müssen wir sogar wieder Dieselbusse kaufen und auf bereits elektrifizierten Strecken einsetzen. Eigentlich ein Blödsinn sondergleichen.

Fazit

Das Stadtparlament und das Stimmvolk haben sich von der VBSG einen Bären aufbinden lassen. Würde hier vorausschauend gearbeitet und wäre die Entwicklung nicht verschlafen worden, wir wären auf einem guten Weg. Dass wir jetzt seit Anfang Monat einen E-Bus durch den Gallusplatz fahren lassen ist ein schwacher Trost.
Auch unsere Topologie und die Jahreszeiten sind ein fadenscheiniges Argument. Verkehren doch mittlerweile E-Busse von Irland, Barcelona über das Südtirol und von Polen über Berlin und die Niederlande bis nach Finnland. Sogar in Chile sind demnächst 200 E-Busse unterwegs.
Und wenn es um die Kapazität geht, gibt es Doppelstöcker, Gelenksbusse, Doppelgelenksbusse und so weiter.
Ich erwarte vom Stadtrat und vom Stadtparlament, dass sie in Zukunft genauer hinschauen. Und ganz besonders erwarte ich von der VBSG, dass sie transparenter und mit weniger Egoismus an die Sache herangeht. Es geht nämlich, wie Schaffhausen beweist.

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