Staustunden und Kosten

Auf sämtlichen Kanälen wird heute über die Kosten berichtet, die Stau in der Schweiz verursacht. Ich will die Berechnungsmethode für die Kosten gar nicht in Frage stellen. Viel mehr hat mich interessiert, weshalb es zu Stau kommt und ob die 17% Stauanteil auf Nationalstrassen plausibel sind.

Zu ersten Frage liefert das Bundesamt für Statistik eine schöne grafische Übersicht. Es sind nicht die Baustellen oder die Verkehrsunfälle, die für die meisten Staustunden auf Nationalstrassen verantwortlich sind, sondern schlicht Verkehrsüberlastung. Entsprechend darf man bei Stau ohne schlechtes Gewissen von verursachergerecht sprechen:

Die zweite Frage, ob die Daten in der Mitteilung plausibel sind, sind Fragen aufgetaucht. Das Bundesamt für Statistik weist für das Jahr 2019 insgesamt 30'231 Stunden Stau auf den Nationalstrassen auf Das Bundesamt für Raumentwicklung schreibt in der aktuellen Mitteilung, dass die Schweiz 2019 insgesamt 200'000 Staustunden verkraften musste. 17% davon entfielen auf die Nationalstrassen (oder sind es Autobahnen?) - Das wären dann 34'000 Staustunden.

Ob die Differenz von rund 3800 Staustunden (immerhin rund 10 Stunden Stau pro Tag) auf Nationalstrassen zwischen Bundesamt für Statistik und Bundesamt für Raumentwicklung auf unterschiedliche Auslegung Nationalstrassen vs. Autobahnen (Was nicht das selbe ist) zustande kommt ist nicht ersichtlich.

Spannend ist aber mit Sicherheit, dass das Bundesamt für Strassen (ASTRA) stets betont, dass die Nationalstrassen massiv ausgebaut werden müssen, um den Verkehrskollaps zu verhindern, obwohl nur 17% der gesamten Staustunden dort vertrödelt werden.

Und noch etwas zum Schluss. Diese beiden Schlagzeilen finden sich im News-Archiv des Bundesamtes für Raumentwicklung und wurden im Abstand von knapp 3 Monaten veröffentlicht.

Staus auf Schweizer Strassen verursachen Kosten von über 3 Milliarden Franken

Quelle: BAV vom 4.10.2022

Der Verkehr verursacht Klima- und Umweltschäden von 6 Milliarden Franken pro Jahr

Quelle: BAV vom 28.6.2022

Gedanken und Kommentare dazu überlasse ich gerne euch

3 Kommentare zu “Staustunden und Kosten”

  1. Da bin ich tatsächlich als Automobilist – beruflich, Ausnahme!!! am vergangenen Donnerstagnachmittag in einen massiven Stau geraten. Dabei extra früh abgefahren, um halb vier schon im berühmten Baustellenbereich.
    Grund des Staus: zwei Spuren (von insgesamt drei eingerichteten) gesperrt, weil nach der Autobahnbrücke Schallschutzelemente und weiter zur Stadt hin, in der Nähe der Stützmauer manuelle und kleinräumige Teerarbeiten – ausschliesslich auf der linken, der Überholspur – ausgeführt wurden.
    Dafür wurde auch die Normalspur ab Winkeln gesperrt…findige wichen grad dort aufs städtische Strassennetz aus…

    Dass wir doofen Automobilisten einen kleinen Sinn in der Sache erkennen konnten, hat die städtische Feuerwehr extra einen kleinen Laster auf die sonst komplett leere Spur parkiert. Quasi als optischen Marker…
    Das mag durchaus viel Sinn machen, wenn sonst zu schnell gefahren wird.
    Die Automobilisten haben an diesem Abend aber einen Stau erlebt, der sie alle bis ungefähr 18.00 (Annahme um 2…3 Stunden Gesamtstauzeit) je eine ganze Stunde gekostet hat. Verkehrsaufkommen in dieser Zeit ist etwa 2000 Fahrzeuge pro Stunde.
    Somit haben – um diese Arbeiten an der Schallschutzwand und an der Überholspur der Autobahn zu beobachten – die VerkehrsteilnehmerInnen an diesem Abend etwa 4000 Stunden (abzüglich der 10 Minuten Fahrzeit bei V60) verwartet.

    Klarer Grund 1: eine Spur zu viel gesperrt, damit man länger und komfortabler an der Strasse arbeiten kann. Und Paradoxon 1: der Teer- LKW musste ja eh vorher über die anderen, öffentlich genutzten Spuren anfahren.

    Klarer Grund 2: die Olma naht. Und viel LKW-Verkehr und noch viel mehr Autos – wie immer. Da will man doch bald mal fertig werden.

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