Teilspange – Komplette Fehlplanung?

Ich habe ja mittlerweile die detailierten Verkehrszahlen des ASTRA für die Stadtautobahn erhalten. Mir ist klar, es handelt sich um die Zahlen 2020/2021, also Verkehrszählungen in Zeiten von Lockdown und Homeoffice. Interessant ist es trotzdem und ich wage die Behauptung aufzustellen, dass die Teilspange in Richtung Zürich völlig falsch geplant ist. Gemäss den Verkehrszahlen müsste diese nämlich in Richtung Rorschach geplant sein. Gerne zeige ich euch, wie auf die Idee komme.

Das ASTRA hat mir die Zahlen für die Zählstellen ZST 282 -Sitterviadukt

Quelle: Messtellennetz ASTRA

und die detailierten Zahlen ZST 084 – Rosenberg zugestellt

Quelle: Messtellennetz ASTRA

Die Zahlen, die ich bekommen habe sind jeweils Stündlich und Richtungsgetrennt vorhanden.

Meiner Logik zu Folge kann ich also die Fahrzeuge, die in Richtung Osten über das Sitterviadukt fahren von der Anzahl Fahrzeuge die ebenfalls in Richtung Osten durch den Rosenbergtunnel fahren abziehen. Die Differenz ist die Verkehrszunahme über die Zufahrt Kreuzbleiche. Natürlich gibt es auch Fahrzeuge, die in der Ausfahrt Kreuzbleiche die Autobahn verlassen. Die Werte sind deshalb nicht absolut zu betrachten, aber sie zeigen etwas erstaunliches, wie ihr gleich sehen werdet.

Nehmen wir zuerst das Sitterviadukt und nur die Werktage in Fahrtrichtung Osten

Als nächstes des Rosenbergtunnel, ebenfalls nur Werktags und in Richtung Osten

Wenn ich jetzt die Differenz dieser beiden Zählstelle nehme erhalte ich die oben erwähnte Zunahme des Verkehrs zwischen Sitterviadukt und Rosenbergtunnel in Richtung Osten:

Soweit mal die Zahlen in Richtung Osten.

Machen wir also das selbe Spiel noch in Richtung Westen. Hier beginnen wir mit dem Rosenbergtunnel

Als nächstes die Zahlen auf dem Sitterviadukt

Auch hier rechne ich die Verkehrszunahme zwischen Rosenbergtunnel und Sitterviadukt so, dass ich die Zahlen im Rosenbergtunnel von denen auf dem Sitterviadukt subtrahiere. Mit dem Bewusstsein, dass der gleiche Fehler durch die ab- und zufahrenden Fahrzeuge entsteht.

Ich denke, ihr seht bereits das Problem.

Während der Verkehr in Richtung Osten um bis zu 2100 Fahrzeugen pro Stunde zugenommen hat (also zusätzlich Autos, die in der Kreuzbleiche in Richtung St.Margrethen gefahren sind) hat sich der Verkehr in Richtung Westen teilweise sogar verringert. Also es haben mehr Fahrzeuge die Autobahn in der Kreuzbleiche verlassen, als neu hinzugekommen sind. Deshalb die teilweise negativen Werte. Auch bei der Verkehrszunahme auf der Stadtautobahn fällt das Wachstum mit unter 400 Fahrzeugen pro Stunde deutlich geringer aus als in die andere Richtung.

Und jetzt die Schlussfolgerung:

Die Teilspange, also der Feldlitunnel bedient nur Zürich. Zum Güterbahnhof gelangt man nur, wenn man von Zürich her kommt oder umgekehrt, wer beim Güterbahnhofkreisel in den Feldlitunnel fährt, kann nur in Richtung Zürich fahren.
Und genau das ist gemäss den Zahlen des ASTRA das Problem. Es fahren deutlich mehr Fahrzeuge in Richtung Osten. Also in die Richtung, bei der man via Rosenbergstrasse/St.Leonhardsbrücke/Zürcherstrasse auf die Autobahn auffährt.

Was in meiner Rechnung nicht berücksichtigt ist, ist der Schorentunnel. Ich hätte gerne eine Gegenprobe gerechnet. Allerdings fehlen da die Zahlen für die einzelnen Ausfahrten. Das ASTRA hat mir nur die Gesamtzahlen für die Autobahnzufahrt zukommen lassen. Ich kann als nicht unterscheiden, wie viele Fahrzeuge in Richtung Osten und wieviele in Richtung Wetsen gefahren sind. Das Selbe gilt für die Ausfahrt Schorentunnel. Auch da lässt sich nicht sagen, wer von Westen her kommt und wer von Osten.

Es gibt aber defintiv Unsicherheiten. Umso wichtiger ist es, dass hier Bund, Kanton und Stadt für Klarheit sorgen. Eine Katze für 1.5 Milliarden im Sack zu kaufen ist dann doch etwas teuer und die Stadt muss ebenfalls ein grosses Interesse an den Zahlen haben. Sie ist für die flankierende Massnahmen zum grossen Teil selber verantwortlich. Beim Liebeggtunnel ist noch nicht Schluss.

Noch ein kleines Update. Die städtischen Verkehrsahlen sind noch immer nicht bei mir eingetroffen. Die werden aber benötigt, damit ich mir ein Bild für die Teufenerstrasse machen kann.

2 Kommentare

  • „85 Prozent der Autofahrten starten oder enden im Stadtgebiet.“
    https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/der-zweite-deckel-an-der-autobahn-a1-ld.1182402
    Für die Bewältigung des regional selbst verursachten Verkehrs, ist der Bund verantwortlich (3. Röhre).
    Für den Interkantonalen Richtung Zürich (Teilspange) die Region?
    Verstehe ich nicht.

    • Ja, die 80 oder 85% (je nach Quelle) die in der Stadt starten oder enden sind soweit korrekt.
      Die Autobahnausfahrten gehören zwar dem Bund, die Kosten werden aber auf die Besitzer der Anstossstrassen, Kanton und Stadt, aufgeteilt.
      Im Falle der Teilspange übernimmt der Bund den Fedlitunnel und den unterirdischen Kreisel. Der Liebeggtunnel ist Sache der Kantone und der Gemeinden.
      Die 3.Röhre wird komplett durch den Bund finanziert.
      Zurück bleiben noch die verkehrstechnischen Maßnahmen auf der Geltenwilerstrasse, St.Leonhardbrücke usw.
      Die wird die Stadt, allenfalls mit kantonalem Zustupf, selber tragen müssen.
      Wie viel das sein wird lässt sich frühestens mit der Detailplanung abschätzen.
      Zu den Kostenteilern gibt’s bislang nur die Infos auf https://zubringer-gueterbahnhof.ch/finanzierung/
      Gegenargumente gibt es hier https://teilspange.ch/

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