VBSG – Eine Stadt schadet sich selbst

Wenn sich eine Stadt eine Sympathie-Kampagne wie «Sankt» gönnt und damit versucht, Firmen und Menschen in die Stadt zu locken, dann sollte sie im Gegenzug tunlichst darauf verzichten, bei der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu sparen. Denn diese Rechnung kann nicht aufgehen. Es ist essentiell, dass eine Stadt beim öffentlichen Verkehr einen Service Public anbietet, der einer gross aufgegleisten Marketing-Kampagne gerecht wird.

Mit der «Sankt»-Kampagne 2021-2023 hebt die Stadt ihre Stärken und Qualitäten hervor und wirbt damit aktiv für neue Zuzügerinnen und Zuzüger sowie Arbeitnehmende und Firmen. Gleichzeitig stärkt sie den Stolz der eigenen Bevölkerung. Schlägt auch Dein Herz für St.Gallen?

Quelle: meine-stadt.sg

Die Stadt St.Gallen macht aber das Gegenteil. Sie baut beim Service Public ab. Sie tut das aus Spar- und Effizienzgründen. Ich möchte darauf hinweisen, dass die VBSG beim öffentlichen Verkehr nicht sich selbst oder dem Fahrplan verpflichtet ist, sondern allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt. Wenn sie jetzt von sich aus beginnt, zu entscheiden, welcher Bus wo nicht mehr halten soll, dann fährt sie sich selber an die Wand. Es ist zwar absolut richtig, den öffentlichen Verkehr und die Haltestellen zu hinterfragen und es ist auch absolut richtig, Anpassungen vorzunehmen. Diese dürfen aber nicht zu Lasten von Firmen, Familien, Gästen, Pendlern oder anderen Fahrgästen gehen, so wie das am Schibenertor geschieht oder sogar schon geschehen ist.

An der Haltestelle Schibenertor stiegen im Jahr 2021 rund 2300 Personen täglich ein und aus. 2300 Personen die man mit der geplanten erweiterten Aufhebung der Haltestellen massiv vor den Kopf stösst. Geschweige denn den Gastrobetrieben, den Läden oder all den angesiedelten Firmen in der östlichen Altstadt hoch bis zum Gallusplatz. Und es ist ein Kriterium für Firmen in der Innenstadt, wie gut ihre Geschäftsräume angebunden sind, wenn sie sich neu ansiedeln möchten. Im schlimmsten Fall ziehen sie sogar weg.

Dass die Stadt aus Spargründen auf insgesamt 7 Linien für eine Ausdünnung sorgt, hatte ich in einem früheren #kurzverbloggt schon angemerkt.

Und noch ein Hinweis an all diejenigen, die hinter vorgehaltener Hand denken (ja, diese Leute gibt es bis auf Entscheidungsebene), dass das Schibenertor die Drögeler-Haltestelle Nummer 1 ist. Es geht euch einen feuchten Kehricht an, wer, weshalb, wann und wo in einen St.Galler Bus ein- oder aussteigt.

Dieser Text wurde bis auf den letzten Abschnitt auch als Leserbrief an das St.Galler Tagblatt gesendet.

2 Kommentare

  • Hansueli Stettler

    Im Tagblatt wurde auch eine Nutzungsstatistik publiziert. Hochrechnungen.
    Keine qualitative, es war ja niemand wirklich da und hätte unterschieden zwischen Kinderwagen, Hunden und Erwachsenen. Mit und ohne Rollatoren.
    Die Haltestelle wurde vom Tiefbauamt in inniger Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben übrigens seit Jahren so versaut, dass sie kaum nutzbar ist. und wird nun zur Strafe für die Marktplatz-Kritiker möglichst lange so belassen: runde Teerschultern, kein niveaugleicher Einstieg, dafür als Doppelhaltestelle improvisiert.
    Hier mit selbstgestrickten „Daten“ herumzufuchteln ist natürlich reine Stimmungsmache. Diese Art von selffulfilling prophecy ist im öffentlichen Diskurs nicht ernstzunehmen.

    • Lieber Hansueli
      Die VBSG verfügt über die relevanten Daten. Die Sensoren bei den Türen können gemäss eigenen Angaben durchaus Unterschiede erkennen. Das Tagblatt hat diese bislang unter Verschluss gehaltenen Erhebungen erhalten aund aufgearbeitet. Sie sind sehr wohl für den politischen Diskurs relevant. Spannend wäre zu erfhren, wie die Zeitung an die Daten gelangt ist. Die VBSG wird sie kaum rausgerückt haben. Die arbeiten lieber im Dunkeln

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