Verkehrszählung – Ich bin schockiert

Nein, ich bin nicht schockiert, ich bin noch nichteinmal überrascht darüber, dass man im Kanton Solothurn Schulklassen engagiert um den Verkehr zu zählen

Quelle: Der Kanton Solothurn zählt den Verkehr traditionell noch von Hand

Immer wenn es um Verkehrsmodelle und Zahlen geht bringe ich die als Witz gedachte Aussage: „Ihr zählt doch noch von Hand….“
Gut, der Kanton Solothurn mag vielleicht noch ein letztes Urgestein sein. Es zeigt aber eine Problematik, die im Jahr 2026 eigentlich nicht mehr vorhandensein dürfte.

Kurze Erklärung was Solothurn macht:

Sie stellen Schülerinnen und Schülerinnen an einem einzigen Tag, an einem Mittwoch gegen Ende Juni an die Strasse. Dann werden gezählt: Autos, LKW, Busse, Radfahrer usw.
Und das macht man dann alle 5 Jahre und rechnet die gezählten Stunden hoch auf die Gesamtzeit, weil man davon ausgeht, dass genau dieser Tag für die nächsten 5 Jahre als representativ gilt….

Wenn man den Artikel liest merkt man aber, dass sich der Kanton Solothurn durchaus bewusst ist, dass man hier mit einer unbrauchbaren Datenlage arbeitet. Denn Ausreden wie: das Geld fehlt oder der Datenschutz verhhindert ausgedehntere Messungen, zeigen, dass man durchaus gerne mehr wissen möchte….

Ok, nun ist es aber noch so und man hat es ja auch schon immer so gemacht. Warum aber ist das im Jahr 2026 ein riesengrosses Problem? Nicht weil es uns ein Lachen entlockt sondern weil mit solchen Zahlen gearbeitet wird und damit Strassenbauprojkete ausgelöst und gerechtfertigt werden.

EIn Beispiel (und ja, ich weiss, das der Kanton St.Gallen ein wenig weiter ist als der Kanton Solothurn):

Quelle: https://zubringer-gueterbahnhof.ch/

Das ist ein Ausschnitt des Verkehrsmodells in der Stadt St.Gallen. Stand Jahr 2017!! Gemessen teilweise mit stationären Geräten und teilweise mit angeblich representativen Kurzzeitmessungen von einer Woche oder vielleicht auch einem Monat.

Dieses Verkehrsmodell wird jetzt herangezogen als IST-Zustand für den Verkehr in der Stadt St.Gallen.
Ein 8 Jahre alter IST-Zustand mit ein paar Messwerten, die je nach dem ganz unterschiedlich erfasst wurden.

DIeses Verkehrsmodell wird nun sowohl vom Kanton als auch vom Bund und der Stadt dafür verwendet um den Zubringer Güterbahnhof zu rechtfertigen. Und niemand (oder fast niemand!) hinterfragt dieses Verkehrsmodell. Denn man will ja einach den Anschluss, da fragt man sicher nicht nach, auf welcher Grundlage man sich entschieden hat, dass es den Anschluss benötigt.

Aber genau das müssen wir, das Verkehrsmodell hinterfragen! Denn es geht um Geld, sehr viel Geld! Es geht um Abstimmungen und es geht um Kampagnen, Diskussionsrunden und um politische Anfragen auf allen politischen Ebenen. Immer mit 8 Jahre alten Zahlen, die mehr oder weniger zufällig mal erfasst wurden. Wer weiss, der Stand ist von 2017! Da hat vielleicht auch der Kanton St.Gallen noch von Hand gezählt.

Ich bin noch immer erstaunt, auf welcher Datengrundlage hier einige hundert Millionen gesprochen werden sollen. Ich bin erstaunt wie unkritisch gewisse Kreise diesen Missstand einfach so hinnehmen und noch mehr erstaunt bin ich, dass der Kanton St.Gallen ganz genau weiss (und es auch öffentlich zugibt), dass er nicht über die eigentlich zwingend notwendigen Daten verfügt:

Diese steigende Anforderung an dieVerkehrsplanung sowie die Implementierung eines strategischen Controlling Gesamtverkehr benötigt Datengrundlagen, die in Art, Qualität und Umfang deutlich über dem heutigen Niveau zur Verfügung gestellt werden müssen

Quelle: Botschaft 36.23.02 Kantonsratsbeschluss über das 18. Strassenbauprogramm für die Jahre 2024 bis 2028

Ich halte fest, wir sollen also einen Autobahnzubringer und einen Tunnel mit geschätzten Kosten (nur für die Kantone SG, AR und die Stadt St.Gallen) von rund 200 Millionen auf der Datenbasis von 2017 bauen. Man verlässt sich dabei auf Daten, die 8 Jahre alt sind und die nachweislich nicht auf dem Stand sind, den es für einen Entscheid eigentlich bräuchte.
Und trotzdem halten die Personenkreise, die sonst sehr genau auf das Geld schauen, nicht für notwendig von den Verkehrsinstitutionen endlich aktuelle und verlässliche Zahlen einzufordern.
Aber ja, in der Stadt und im Kanton zählt man ja nicht von Hand wie im Kanton Solothurn….das wird schon stimmen.

Die heutige Technik würde eine Echtzeitmessung des Verkehrs problemlos ermöglichen. 7x24x365!
Klar, ganz kostenlos ist eine solche Erfassung nicht. Aber mit den Milliarden die im NAF liegen sollten das nun wirklich kein Problem sein. Und es muss es uns auch wert sein. Denn ohne eine solide Datenbasis ist es unverantwortlich so viel Geld in Verkehrsbauten zu stecken. Es ist ein Milliardenteurer Blindflug und deshalb grobfahrlässig

Beim ASTRA ist man da wenigstens fortschritlicher unterwegs. Der Verkehr auf den Autobahnen wird mittlerweile auf sehr hohem Niveau erfasst. Dem Bund mache ich da keinen Vorwurf.
Ich hoffe einfach, dass man im Kanton und in der Stadt auch mit den 2017er Verkehrszahlen des Bundes gerechnet hat. Denn sonst wirds nur noch übler. Sprich Verkehrsdaten in der Stadt von 2017 und vom Bund irgendwo aus den Jahren 2022 bis 2023…..

PS: Im Kanton Thurgau ist man schon ein bisschen weiter:

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