Viel Lärm um den Lärm

Es ist kein Geheimnis. Die Stadt und der Kanton müssten seit März 2018 eigentlich diverse Lärmschutmassnahmen umgesetzt haben. Er hinkt aber weit hinter dem Zeitplan hinterher.

Bislang gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Lärm, der in erster Linie durch den Verkehr verursacht wird, zu reduzieren. 30er Zonen, Flüsterbeläge, Lärmschutzfenster und Lärmschutzwände. Es gäbe auch noch leise Pneu, das ist jedoch kaum durchsetzbar.

Heute hat der Nationalrat beschlossen, dass Tempo 30 Zonen auf Hauptverkehrsachsen nur noch aus Sicherheitsgründen gestattet sind. Tempo 30 Zonen sind nicht mehr erlaubt.
Wer den Stadtplan „Strassenlärmkataster“ anschaut merkt jedoch schnell, dass genau die Hauptverkehrsachsen am meisten belastet sind.

Der Entscheid des Nationalrates verwundert und verärgert mich aus verschiedenen Gründen.

Da sind zum einen die Liberalen und Konservativen Parteien. Sie sind meist diejenigen, die sich lautstark über die Einmischung des Staates nerven und die Steuersenkungen fordern.
In diesem Fall jedoch schieben sie die massiven Kosten auf die Steuerzahler ab. 30er Zonen sind in aller Regel deutlich günstiger zu haben als Lärmschutzfenster, Flüsterbeläge usw.
Zudem stellt dies ein massiver Eingriff in die Entscheidungshoheit der Städte und Gemeinden dar. Sie können dies nun nicht mehr selbst entscheiden, sind aber dennoch verpflichtet, Lärmschutzmassnahmen umzusetzen.
Tja, Huptsache freie Fahrt für freie Bürger. Die Anwohner gehen ihnen am Arsch vorbei.
Bleibt die Hoffnung, dass der Ständerat hier nicht mitmacht.

Sonst bleibt auch St.Gallen nichts anderes übrig, als die Strassen neu zu teeren oder Schallschutzfenster zu finanzieren. Mit unseren Steuergeldern versteht sich. Die Steuersenkung, die die gleichen Parteien in der Stadt gerne hätten rückt wieder ein Stück weiter weg.