Wie zu Stalins Zeiten

Der Titel mag hart sein. Aber er trifft ein Stück weit auf die Stadt St. Gallen von 2018 zu.
1933 wurde in Moskau (eben unter Stalin) eine erste Linie mit Trolleybussen installiert. Busse also, die elektrisch fahren und die Energie über Oberleitungen beziehen. Im Jahr 2018 ist Moskau daran, rund 1500 Trolleybusse durch Elektrobusse ohne Oberleitungen zu ersetzen. Bis 2022 sollen die Oberleitungen verschwunden sein. Aktuell sind in Moskau bereits mehr als 150 dieser Busse unterwegs.

Und in St. Gallen? Rund 85 Jahre nach dem ersten Trolleybus in Moskau bezeichnet unser „Chef St.Galler Bus“ die Technology von Trolleybussen als „state of the art“. Ehrlich, ganze Quartiere heute noch mit Oberleitungen auszustatten ist weder fortschrittlich, noch schön und ganz sicher nicht „state of the art“ – Wenn schon, dann „state of the art“ wie zu Stalins Zeiten?

Ich hoffe, das Stadtparlament erkennt, dass die VBSG endlich nach vorne schauen muss und sich überlegen sollte, ob man die geplanten 37 Millionen nicht besser in Technologien investieren sollte, die 2018 wirklich „state of the art“ sind.

Passend dazu: Oberleitungen in St.Georgen

Und jetzt muss ich aufhören, weil sonst „tätschts mir dä Nuggi usä“ – Auf Wikipedia findet ihr eine Liste von Städten, die den Betrieb von „State of the Art-Trolleybussen“ eingestellt haben!

2 Kommentare

  1. Die Trolleybustechnologie hat seit 1933 Fortschritte gemacht und sie hat sich weiterentwickelt. Die E-Mobilität ist die Zukunft des städtischen Strassen-öV. Allen elektrisch angetriebenen Systemen ist gemeinsam, dass der verbrauchte Strom irgendwie nachgeladen werden muss. Die Frage ist einfach, wann, wo und wie nachgeladen wird. Das Konzept «Swiss Trolley plus» kombiniert bewährte Oberlei-tungstechnik mit neuster Batterietechnologie. Der neuartige Trolleybus hat leistungsfähige Energie-speicher an Bord, die während der Fahrt ständig über die Oberleitungen aufgeladen werden. Das ermöglicht einen elektrischen Betrieb auch auf Linien, die nur teilweise über Trolleybus-Fahrleitungen verfügen. Im reinen Batteriebetrieb soll der neue Trolleybus 20 bis 30 Kilometer zurücklegen können. Der Batterie-Trolleybus ist somit nichts anderes, als ein Elektrobus, dessen Batterien über die Oberlei-tungen nachgeladen werden. Andere Systeme wären das System TOSA mit Schnellladung an jeder dritten Haltestelle oder der Batteriebus, der nachts im Depot geladen wird. Bei den Gelenkbussen ist die Technologie jedoch noch nicht so weit, dass die Fahrzeuge einen ganzen Tag lang ohne Nachla-dung betrieben werden können. Für Zwischenladungen über eine teure Ladeinfrastruktur an den End-haltestellen ist der dortige Aufenthalt im städtischen öffentlichen Verkehr einfach zu kurz. Nachdem St.Gallen bereits über mehr als 22 Km Oberleitung verfügt, kann diese auch zum Laden der Batterien verwendet werden. Der Abbruch der bestehenden Leitungen und die Beschaffung von neuen Ladeinfrastruturen wäre ökonomisch fragwürdig. Die von den VBSG anvisierte Technologie ist Ge-genstand eines KTI – Forschungsprojektes der VBZ gemeinsam mit der ETH.
    Weitere Informationen zum modernen Trolleybus: https://www.trolleymotion.eu/news/

    1. Ich gehe davon aus, dass die Technik weiter ist als 1933 😉
      Es gibt schon Gründe, laut darüber nachzudenken
      a) sind Trolleybusse an Oberleitungen gebunden auch wenn sie gewisse Strecken mit Batterieenergie bewältigen können. Das bringt eine gewisse Unflexibilität mit sich. Ansonsten wären neue Oberleitungen wie in St.Georgen ja auch kein Thema
      b) wären rein elektrische Busse ein Schritt vorwärts in Richtung Abschaffung der Dieselbusse
      c) bauen wir vermutlich demnächst auch ein neues Depot, das neue Möglichkeiten bereits bei der Planung berücksichtigen könnte
      d) und nicht zuletzt müssen wir so oder so neue Busse beschaffen
      Eine Vollkostenrechnung und ein Blick ins Ausland wären sicherlich nicht falsch.
      Und was ich mir ebenfalls wünschen würde ist ein aktivere Kommunikation eurerseits. Es kann doch nicht sein, dass Stadtparlamentarier nichts von einer Entwicklungszusammenarbeit mit der ETH wissen und von blauen VBZ-Bussen auf den St.Gallerstrassen überrascht werden

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