Smart Meter Rollout und die Elog AG

Gehirnwäsche

Ich bin gestern auf dem Portal von East#Digital gelandet und habe dort einen kurzen Bericht zu Smart Metern in der Stadt gesehen. Ich wollte wissen, was da genau geplant ist und bin bei den St.Galler Stadtwerken und dem Interview mit Unternehmensleiter Marco Letta gelandet.

Dort gibt es einen Abschnitt, der mich aus verschiedenen Gründen ziemlich interessiert.

Was ist unter «Smart Meter Rollout» zu verstehen?

Damit ist gemeint, dass die ganze Stadt mit intelligenten Zählern ausgestattet wird, welche fernausgelesen werden. Das heisst, es wird künftig nicht mehr nötig sein, dass unsere Mitarbeitenden in jeder Liegenschaft Zähler vor Ort ablesen, sondern wir erhalten die Zählerstände digital. Das macht vieles einfacher und wir werden flexibler. Dies ist ein grosses Projekt und braucht daher auch eine ausführliche Planung und Vorbereitung. Der Beginn des Rollouts ist ab 2021 vorgesehen. 

Smart Meter sind kleine Geräte, die den Stromverbrauch kontinuierlich messen und dadurch auch Rückschlüsse auf das Konsumverhalten von Haushalten zulassen. Es gibt da einige Stolpersteine in Sachen Datenschutz und unterschiedliche Lösungen, wie solche Smart Meter eingebaut werden.

Soweit ist ja alles in Ordnung. Dass ein flächendeckender Rollout schon auf das Jahr 2021 geplant ist, hat mich dazu verleitet, weitere Informationen zu suchen. Leider bin ich bei den Stadtwerken nicht fündig geworden.

Dann fiel mir ein, dass die Stadt Anteile an einer Firma hält, die auf solche Anwendungen spezialisiert ist. In den Eignerstrategien bin ich dann fündig geworden. Die Firma heisst Elog AG. DIese besitzt selbstverständlich auch eine eigene Webseite. Bis hier hin ist noch immer alles ok.

Jetzt wurde ich zum ersten Mal etwas stutzig. Die Firma teilt sich die Adresse mit den Stadtwerken. Sie ist ebenfalls an der Vadianstrasse 8 ansässig.
Und dann gleich der zweite Punkt, der mich etwas erstaunt hat. Der Verwaltungsratspräsident der Elog AG ist niemand anderes als Alt-Stadtrat Fredy Brunner (FDP) und damit der Vorgänger von Peter Jans als Vorsteher Direktion technische Betriebe oder auch Mister „Glasfaser“

Die Firma ELOG wird in den St.Galler Nachrichten so beschrieben:

Quelle: Medienmitteilungen Elog AG (PDF)

Sie verfügt demnach über keine eigenen Mitarbeiter, sondern werden nach Bedarf von den beteiligten Gesellschaften rekrutiert.

Auch die Stadt St.Gallen war bei der Gründung 2008 beteiligt. Damals war Fredy Brunner noch Stadtrat und eben Vorsteher Direktion technische Betriebe. Ein vertiefter Blick in die Eignerstrategie verrät:

  • Die Stadt Sankt Gallen ist grösste Aktionärin der elog Energielogistik AG. Sie nimmt
    eine führende Rolle in der Unternehmens- und Geschäftsführung wahr und behält einen Mindestanteil von einem Drittel der Aktien.
  • Die Stadt St.Gallen beansprucht als grösste Aktionärin das Verwaltungsratspräsidium
    sowie die technische und allenfalls die kaufmännische Geschäftsführung

Die Stadt besitzt demnach mind. 33% der Aktien und sie müsste eigentlich das Verwaltungsratspräsidium stellen. Das macht sie allerdings mit Fredy Brunner nicht. Bis 2017 war dies noch der Fall. Damals schied jedoch Peter Jans gemäss Handelsregister aus dem Verwaltungsrat aus

Die technische Geschäftsführung müsste gemäss der Eignerstrategie ebenfalls die Stadt stellen. Gemäss Webseite und Handelsregister ist dies Urs Schürpf. Urs Schürpf ist Angestellter der Stadtwerke in der Funktion Ressortleiter Energielogistik (Quelle: Stelleninserat St.Galler Stadtwerke)

Bleibt also noch die kaufmännische Geschäftsführung. Hier ist aktuell Gerardo Zampelli eingetragen. Er ist jedoch nicht bei der Stadt angestellt, sondern sitzt in der Geschäftsleitung der Firma IGB Engineering St.Gallen. Diese ist zwar ebenfalls Aktionärin der ELOG AG aber lustigerweise im selben Geschäftsfeld tätig. Den Posten bei der Elog hat er gemäss Handelsregister übrigens schon seit 2010 inne

Quelle: IBG Engineering

Die Vorgaben aus der Eignerstrategie werden in dem Falle also nicht erfüllt. Der Posten der technischen Geschäftsführung reicht nicht aus.

Alle dies lässt weitere Spekulationen zu. Ich verzichte aber darauf und bleibe bei den Fakten. Ein Fazit aber habe ich:

Wenn im Jahr 2021 die Smart Meter in den Haushalten verbaut werden sollen, dann müssen die Stadtwerke hier für vollständige Transparenz sorgen. Ich unterstelle niemandem etwas Böses. Die Verflechtungen können aber sehr schnell zu Problemen führen. Unter anderem besteht die Gefahr, dass die Stadtwerke, die Elog AG und allenfalls auch die IBG diesen Auftrag (ich schätze mal in 2stelliger Millionenhöhe) untereinander aushandeln und so innovative Lösungen von anderen Anbietern ausgeschlossen werden.

Diese Gefahr geht ebenfalls aus der Eignerstrategie hervor:

Die sgsw nutzen die elog konsequent als Vermarktungs- und Distributionsorganisation für datengestützte Energiemarktdienstleistungen in der Region. Für andere Produkte wird die Vermarktung über die elog jeweils geprüft.

Und zum Schluss noch, der Stadtrat muss korrigieren. Es kann nicht sein, dass er in der Eigentümerstrategie den Sitz des Verwaltungsratspräsidenten der Elog AG beansprucht und ihn dann einem Alt-Stadtrat überlässt.

2 Kommentare

  1. Gut recherchiert, danke.
    Vermutlich doch simple Datenkraken, allesamt.
    Und eine Hand wäscht die andere…. Das VRSG-Debakel lässt grüssen!

    Ob sie wirklich „das“ Netz mit all dem „Flatterstrom“ – ein böses Schimpfwort für Solarenergie und individuelle BHKW steuern könnten – und wollten…?
    Habe dazu schon früher mal nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass eine einfache – via Rundsteuersignale kommunizierte – Preisinformation an alle reichen könnte, die individuellen Entscheide zum Einspeisen zu beeinflussen: wenn alle wissen, zu welchem aktzuellen Preis der Strom auf dem Markt ist, kann sich ein individueller Verbraucher/Produzent selber entscheiden, sein BHKW (mit meinem eigenen Programm gesteuert) einzuschalten, weiter laufen zu lassen oder abzuschalten. Oder seinen Solarstrom nur im eigenen Boiler abzuladen. Oder sein Strommobil abzufüllen…oder…
    Rundsteuersignale (Zeitimpulse, z.B. alle zwei Sekunden könnte ein Preissignal „auf“ …oder „ab“ gegeben werden) sind völlig harmlos, demokratisch und werden heute schon benutzt, um ab und zu elastische, zeittolerante Lasten (wie Boilerladen u.a.) kurzfristig „abzuwerfen“.
    Wenn die Stadt selber ein paar stromgeführte Gas-BHKW installieren würde, könnte das mehr Probleme lösen als die ganze teure Übung.

    Ein weiterer smart-hype, der zur Konzentration unserer Daten in wenigen Händen führen wird.
    Hoffen wir, dass sie keine „Funk“-Meter planen, das gäbe einen solchen Aufschrei, dass der zuständige Stadtrat abtreten müsste.

  2. Eine schöne smarte Welt. Zwischenzeitlich kommt der VRP wieder aus den Reihen der Stadtwerke, welche den Technischen Betrieben der Stadt St. Gallen angegliedert ist. Jetzt geht es langsam um das Projekt Smart Metering und die Spekulationen werden weiter angefacht. Bei ca. 55’000 Zählern? kommt ein sattes Auftragsvolumen zusammen. Marcels Schätzung liegt sicher nicht Welten davon weg. Da folgen doch möglicherweise noch Kommunikationsmodule, Datenkonzentratoren und Systeme (Head-End-System, MDM-System) und eine Reihe neuer Schnittstellen zu Umsystemen. Die Frage nach der Kommunikationstechnologie wird sicher spannen. Nutzt man das „eigene“ Glasfasernetz, verbaut man einen Berg IoT-SIM-Karten, kommuniziert man mittels Breitband-PLC oder G3-PLC über die Stromleitungen? Wird man die Rundsteueranlagen durch die Schaltkontakte an den intelligenten Zählern ersetzen oder kommen neue Lastschaltgeräte zum Einsatz? Geben wir uns mit normalen Schaltlisten zufrieden oder setzen auf kostspielige und zukunftsträchtige Schaltmethoden? Wird Smart Home ein Thema sein? Werden unsere Smart Meter Qualitätsmessungen ausführen? Wird der Energiebedarf der Nutzungseinheiten auch zur Visualisierung und weiteren Planung unseres Stromnetzes eingesetzt? Wer zahlt denn überhaupt diesen Rollout? Wird unsere kWh nun zukünftig teurer oder wird mit dem Energiehandel quer subventioniert? Darf man das überhaupt? Woher kommt übrigens das Geld für den Energiehandel? Fragen gibt es genügend. Welches Kommunikationsmittel eingesetzt wird, bleibt aber weiterhin spannend. Glasfaser ist schnell und hoch verfügbar. Die Anschaffung der Hardware und die buchhalterische Nutzung des bestehenden Netzes nicht zu unterschätzen. Breitband-PLC? Vielleicht; da es wenige Nachteile hat.G3-PLC? Nur wenn wir es auf dem FCC Band mit mehr Trägern einsetzen. Die vielen möglichen Störer (Wechselrichter von PV Anlagen oder Mobilantennen, Netzteile für Lampen von IKEA, Tchibo oder wer auch immer, Chinesische Billigprodukte für unsere elektronischen Helferlein überhaupt, usw.) aus dem Netz zu filtern oder ganz zu verbannen ist Ressourcen intensiv, teuer und endet nie. Mit Mobilfunk erhalten wir ja auch noch eine qualitativ gute Verbindung zum anständigen Preis. Ich glaube an einen Mix. Nur gibt es sicherlich zum ganzen Thema eine Opposition. Zu teuer, Verschwendung von Ressourcen (Lebensdauer eines Smart Meters ca. 15 Jahre, viel Kunststoff), ach die Strahlung (bleibt zwar im Keller und mein Mobiltelefon und Radiowecker am Kopfende meines Bettes strahlen doch auch), Angst um die persönlichen Daten, Profiling, Blackout (bei Abschalteinheiten), usw. Ihr Gegner der neuen Technologie habt es einfach gut. Ohne zu studieren fallen da einige Schlagworte ein. Kommen wird aber nochmals auf Marcels Spekulationen zurück. Darf die IBG die Ausschreibung machen und die ELOG an der Ausschreibung teilnehmen und sogar eine Zusage erhalten? Gerüchten zu folge veräussert die Stadt St. Gallen ihren Anteil der ELOG an die IBG. Und dies zufällig vor der anstehenden Ausschreibung. Was das wohl heissen mag? Ich mag Verschwörungstheorien und mache nun dennoch Schluss damit. Was wirklich in den kommenden Monaten (Jahren) passiert, wird sich zeigen. Nur eines ist klar. Sollten die sgsw einen Rolls-Royce einkaufen, berappt das der Endverbraucher in den kommenden Jahren mit erhöhten Tarifen. Oder habt ihr Tarifreserven angehäuft? Habe fertig. Gruss Aram

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