Wellen in der Bäderlandschaft

Himmel über St.Gallen

Mein gestriges #kurzverbloggt scheint einige, wenn auch kleinere Wellen ausgelöst zu haben. Das war letztlich ja auch der Sinn meines Beitrags. Es mag schmerzhaft sein, wenn man die Finger in eine offene Wunde steckt, aber es kann auch die Erkenntnis auslösen, dass etwas für die Wundheilung zu tun ist.

Ich möchte mein Anliegen gerne anhand eines aktuellen Beispiels etwas vertiefen. Nehmen wir doch gleich das Thema Wellen und Wasser;-)

  • In der Stadt St.Gallen muss das Hallenbad Blumenwies saniert werden. Man hat sich entschieden, dass es nicht nur eine einfache Sanierung werden soll, sondern ein Ausbau. Das war im Oktober 2010
  • In der Stadt Gossau ist ein Hallenbad Neubau geplant. Man hat sich für einen Ersatzbau für das bestehende Hallenbad Rosenau auf dem Gelände Buechenwald entschieden. Der Masterplan dazu wurde 2015 abgesegnet.
  • In Wittenbach läuft Ende 2021 der Baurechtsvertrag für das Hallenbad Sonnenrain zwischen der Gemeinde und der Schwimmbadgenossenschaft aus. Etwas, das man seit 50 Jahren weiss 😉 Zudem wurde das Hallenbad letztmal 1992 umfassend saniert. Es besteht also Handlungsbedarf.

Es ist eigentlich klar, dass alle 3 Gemeinden schon seit längerer Zeit wissen, dass da etwas kommt. Jetzt fällt alles irgendwie zusammen. Das Stadtparlament muss die Vorlage Blumenwies beraten, Gossau wird voraussichtlich im Februar 2022 abstimmen und der Gemeinderat Wittenbach hat 2020 eine Kredit für eine externe Beratung zur Definition der Zukunft des Schwimmbads Sonnenrain gesprochen. In allen 3 Gemeinden laufen also rege Diskussionen zur Zukunft der örtlichen Hallbäder.

Zu den Kosten:

  • In St.Gallen wurden in der ersten Lesung rund 46 Millionen verlangt. Das Geschäft wurde jedoch zurückgewiesen, der zweite Anlauf steht noch aus
  • In Gossau rechnet man mit 55 Millionen. Allerdings sind da weitere Anlagen inbegriffen
  • In Wittenbach weiss man es noch nicht so genau. Ich tippe aber mal darauf, dass auch dort unter 10 Millionen nichts geht.

Gehen wir mal gesamthaft von einer Summe von 100 Millionen aus, die für die 3 Schwimmbäder aufgewendet werden müssen. Ich denke, das ist sicher nicht übertrieben und entspricht auch den Schätzungen des Hallenbadverbundes Regio Ost

Nun habe ich mir mal das grösste Hallenbad der Schweiz vorgenommen. Es handelt sich um das Hallenbad Uster. Glücklicherweise ist dort die Erweiterung/Umbau und Sanierung nicht so weit weg, das war 2016. Die Kosten dürften also auch noch 2021 noch einigermassen passen. Das Bauvorhaben Hallenbad Uster hat knapp 40 Millionen gekostet. Siehe dazu auch die Baudokumentation, die ich unten angehängt habe. Also weniger als die Hälfte, dafür mit 50m Becken und es hat vom Wettbewerbsentscheid (2012) bis zur Eröffnung (2016) rund 4 Jahre gedauert. Das ist übrigens gleich lang, wie die Stadt St.Gallen für das GESAK (Gemeindesportanlagenkonzept) bislang benötigt hat. Fertig ist es aber noch nicht 😉

Es ist jetzt natürlich so, dass man hundert Gründe finden wird, warum ein einzelnes Hallenbad für die 3 Gemeinden nicht machbar sei. Von der Gemeindeautonomie bis hin zur schwierigen Koordination von Leistungs- und Breitensport, sowie Schwimmzeiten für Schulen und Öffnungszeiten für das Fussvolk. Sicher eine grosse Herausforderung. Aber die vertieften Diskussionen darüber sind meines Erachtens durch die möglichen Einsparungen mehr als gerechtfertigt.

Wo könnte denn ein gemeinsames Hallenbad zu stehen kommen? Warum nicht auf dem Gründenmoos, wo man mit einem nationalen Leistungssportzentrum im Stile von Magglingen oder Tenero liebäugelt?

Wer jetzt mit dem Argument kommt, „aber wir müssen in Gossau, St.Gallen und Wittenbach jetzt eine Lösung haben“, entlarvt sich letztlich selber. Denn genau das ist mein Vorwurf an die Politik, die Gemeinden und letztlich auch an den Kanton St.Gallen. Man hat es verschlafen! Man hat sich nicht auf die Hinterbeine gestellt und versucht die Bedürfnisse und den Sanierungsbedarf rechtzeitig zu evaluieren, Synergien anzuschauen und zu koordinieren. Jede Gemeinde hat für sich vor sich hin gewurstelt und sich so auch selbstverschuldet in eine Zwangslage manövriert. Das wäre nicht nötig gewesen, weil alles längst absehbar und bekannt war.

Meine Frage, haben wir noch Zeit, die begangenen Fehler zu reflektieren? Was machen wir in Zukunft? Wenn schon Gemeindefusionen nicht gewünscht werden, eine bessere Koordination müsste im Sinne aller sein, nicht nur bei Hallenbädern

Ach ja, es gab da ja ein Projekt „Hallenbadverbund“ von Regio Ost. Das will ich selbstverständlich nicht unerwähnt lassen. Allerdings ging es da nicht um die Überlegung zu Hallenbädern allgemein, sondern um einen Kostenteiler zwischen Standortgemeinde und Verbundsgemeinden.

Ich durfte heute auch noch auf toxic.fm Stellung nehmen. Auch Markus Buschor kommt zu Wort. Und ja, er hat recht. Gossau hat sich in einer Volksabstimmung für einen Neubau ausgesprochen, das war 2013

Allerdings, und das muss man auch erwähnen, hatten die Gossau die Wahl zwischen 2 Standorten oder kein Hallenbad mehr.

Quelle: Stadt Gossau

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