S-Bahn und die Einkaufstouristen

Das Tagblatt hat heute einen Artikel publiziert, der bei mir so viele Fragen aufwirft, dass ich nur noch den Kopf schütteln kann. Der Titel: „Warum der «Konstanzer» Haggen auslässt

Das einzige was ich am Artikel selber kritisiere ist, dass die eigentliche Begründung für das Auslassen des Bahnhofes fehlt. Er gibt zwar Hinweise auf eine fehlende Doppelspur oder auf die Komplexität des Fahrplans, aber eine wirklich schlüssige Antwort auf die Frage kann ich nicht erkennen. Evtl. hätte David Gadze hier nachhaken können 😉

Zum Beispiel die Aussage von Martin Meier, Pressesprecher der SBB:

Denn der Fahrplan sei praktisch auf die Sekunde abgestimmt

um dann ein paar Zeilen weiter die selbe Person:

«Wir können den Fahrplan aber nicht bis auf die letzte Sekunde ausreizen“

Hier der Hinweis auf die fehlenden 2. Spur:

Damit die Züge auf der ganzen Strecke zwischen St.Gallen und Herisau beliebig kreuzen könnten, bräuchte es gemäss den SBB also durchgehend ein zweites Gleis.

Und der Kanton dazu

Der Kanton hat sich aber kürzlich auf den Standpunkt gestellt, dass ein Viertelstundentakt in Haggen auch ohne Infrastrukturausbauten möglich wäre

Aber ich habe auch etwas gelernt. Fahrplan ist nicht gleich Fahrplan. Das muss der dumme Kunde aber nicht wissen:

Bei den Fahrzeiten auf der Website handle es sich um «kommerzielle Angaben».
Die SBB rechnete jedoch in betrieblichen Zeiten.
Dieser sogenannte «betriebliche Fahrplan» ist also entscheidend.

Ein Hinweis, dass man das aber trotz allem nicht ganz so genau nehmen kann:

Für solche Fälle seien betriebliche Reserven eingeplant, etwa auch, wenn das Wetter sich auf den Fahrplan auswirkt. 

Mein Fazit dazu:

Das Bundesamt für Verkehr will nicht
Die SBB will nicht
Der Kanton will nicht
Und die Stadt bleibt auf ihren Problemen bis mind. 2035 sitzen

Mir ist herzlich egal, ob bereits 13 Milliarden für den Ausbau des Schienennetzes ab 2035 gesprochen wurden. Diese teils widersprüchlichen Aussagen zeigen mir, dass der Bock im fehlenden Willen und nicht am Ausbau auf eine Doppelspur liegt. Ein solcher Ausbau würde einfach das Denken vereinfachen.

2 Kommentare

  1. Als regelmässiger Nutzer des RE und der S4 kann ich dir erklären wo das Problem liegt (Spoiler es heisst Voralpenexpress). Nehmen wir mein Beispiel RE 06.45 ab St. Gallen (Richtung Herisau):
    Abfahrt ab Gleis 5 (zu der Zeit sind in St. Gallen Gleis 1-5 belegt) in SG regelmässig 1-2 min zu spät, da die S81 in Gegenrichtung die auf Gleis 7 einfährt die Ausfahrt blockiert und selber (wegen Kreuzungen und dem Halt in Haggen) regelmässig etwas zu spät ist. Nun fährt der RE so schnell es geht bis zur Baustelle Sitterviadukt und da für einen moment mit 40 km/h. Da wartet am Ende der Doppelspur(beim ehemaligen Halt Gübsensee) in der Regel bereits der VAE Richtung St. Gallen. Nun gehts weiter so schnell wies geht nach Herisau auf Gleis 2, oder bei zu grosser Verspätung auf Gleis 3 (damit kann die S2 Richtung SG bereits halb aus dem Bhf Herisau fahren, wenn wir auf Gleis 2 einfahren nutzen wir die selbe Weiche, die die S2 zur Ausfahren benötigt.Führt aber zu Gleiswechsel der Folge S2 Richtung Nesslau-Neu St. Johann und damit zu einer etwas längeren Einfahrtszeit für diese) In aller Regel, kann der RE trotz Vollgas die Verspätung nicht einholen. Würde er jetzt in Haggen noch halten, müsste er da den VAE abwarten. Dies wiederum würde dazu führen, dass er die S2 in Gübsensee statt Herisau kreuzen muss. In dieser Richtung würde die ca. 3 min länger Fahrzeit nicht so eine Rolle spielen (mal abgesehen davon, dass man dann keinen Busanschluss mehr hat in Herisau) in der Gegenrichtung käme dann aber das selbe Problem. Nur kann man in Herisau (wegen fehlender Kreuzungsmöglichkeit) nicht 3 min früher abfahren, was dazu führt, das alles nach St. Gallen auch 3 min oder mehr später wäre und da ist ebenfalls alles Eingleisig mit Doppelspurinseln zum Kreuzen.

    Hier siehts du den Unterschied zur S81 die das ganze 1/2 h versetzt mit Halt in Haggen macht. Dazu kommt, dass die S81 in SG (Endhalt der S81, Standzeit 29min) auch mit Verspätung einfahren kann. Wenns mehr als 1-2 min sind wird die S81 auf dem Gleisfeld vor St. Gallen zwischengeparkt (damit der RE ausfahren kann und auf dem Gleisfeld statt dem Bhf kreuzen kann). Diese Option besteht mit dem RE eine halbe Stunde versetzt nicht, da er die zusätzliche Verspätung dadurch ins halb Ostschweizer Netz weiter ziehen würde.

  2. Hier könnte man wie so oft auf die Klugheit der Nutzercrowd setzen: du installierst einen smarten Fahrzeitmelder für die Strecke im Internet, wo sich die Nutzer mit ihren Beobachtungen eintragen können. Dann kommt man ganz rasch zu einer korrekten Einschätzung der Aussagen über den Tagesverlauf.
    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass in den Aussagen der Fahrplantechniker ein paar wahre Gedanken sind, aber auch, dass sie dazu neigen, sich hinter ihrer allumfassenden Weisheit zu verbarrikadieren.

    Meine damalige Berechnung zum Fahrplan der AB St.Gallen – Liebegg (dass mit der Absenkung und dem Wegfall es Zahnrads und mit der Nivellierung der Steigung auf der AB-Trasse ab Vonwilbrücke so viel schneller den Berg hinauf gefahren werden kann, dass ein Viertelstunden-Takt auch ohne Tunnel möglich ist) wurde nie widerlegt… mehr als 80 Millionen wurden verlocht.

    Hol Dir „the wisdom of the crowd“, wenn du nicht tagelang mit der Stoppuhr hin- und herfahren willst.!

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