Kaiman im Broderbrunnen

Diese Story wäre wohl für die Stadt gewinnbringender gewesen als eine gefühlt 1000ste Neuauflage von St.Parkplatz, die das Tagblatt heute mit einem Teaser auf die Titelseite der Papierausgabe gepackt hat.

Dass mich Parkplatz-Storys in der Stadt regelmässig sauer machen ist bekannt. Ich gebe mir aber auch immer Mühe, die Sachlage mit einem Blogbeitrag zu erklären. Es kann nicht sein, dass solche Tagblattartikel hunderte von Kommentaren im Stil „Die Stadt stirbt“ oder „Die Stadt ist schuld“ richtiggehend provozieren.

Es ist eine Tatsache, wir haben ein paar Probleme in der Stadt. Aber es ist auch so, dass sehr vieles versucht wird, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Da erwarte ich auch von der Presse, dass sie objektiv und sachlich mithilft, die Probleme zu bewältigen.

Ich habs dem Tagblatt versprochen oder vielleicht besser angedroht, den Artikel soweit zu kommentieren, dass er die Sachlage richtig stellt und den Kommentaren den Wind aus den Segeln nimmt. Denn diesen Vorwurf lasse ich nicht auf mir sitzen:

Hier meine Kommentare zum Artikel:

Parkieren darf man auf dem St. Galler Marktplatz seit Ende März nicht mehr. Stolz präsentierte die Stadt anstelle von Abstellplätzen für Autos Sitzbänke für Fussgänger. Statt Parkfelder zeichnen farbige Symbole den Boden. Was den einen freut, ist aber auch in diesem Fall des anderen Leid.

Es handelt sich hierbei nicht einfach nur um farbige Symbole, sondern um ein Spielfeld. Was das Tagblatt bei der „Eröffnung“ des parkplatzfreien Marktplatzes auch entsprechend erwähnt hat. Quelle: Spielfeld und geschwungene Sitzbank

Die Rede ist von den Gastronomen und Unternehmern in direkter Nähe zum Marktplatz. Die Zahl der Gäste und Kunden sei seit dem neuen Parkplatzregime gesunken. «Unser Umsatz ist um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen», sagt Roland Wagner, Inhaber der Alpstein Drogerie. Auch Gastrounternehmer Peter Schildknecht spürt das neue Parkplatzregime. «Das Restaurant Marktplatz erwirtschaftet seit Ende März 20 Prozent weniger.»

Was ich mich hier frage ist, wie hoch die Umsatzeinbussen gewesen sind, als 2015 die Acrevis-Bank sämtliche Parkplätze mit ihrem Container-Provisorium für rund 12 Monate belegt hatte.

Sowohl für Peter Schildknecht als auch für Roland Wagner ist die Sachlage klar: Schuld am Umsatzeinbruch sind die fehlenden Parkfelder. «Je näher das Geschäft am Marktplatz liegt, desto schlimmer die Situation»

Ja, die Situation für Leute, die mit dem Auto in die Stadt gefahren sind, hat sich verschlechtert. Wir reden hier aber von 10 bis 30 Meter von den Parkplätzen bis zum Restaurant oder der Drogerie. Achtung Polemik: Das sind auch diejenigen, die mit dem Auto von der Haustüre zum Briefkasten fahren

Ein Problem für sein Geschäft sei unter anderem, dass viele Kunden seines Kosmetikstudios zu spät kämen, weil die Parkhäuser in der Nähe schon am frühen Morgen überfüllt seien

Das alte Lied der überfüllten Parkhäuser. Ich möchte festhalten, dass meine Auswertungen, die ich seit rund 3 Jahren durchführe, keinen Platzmangel in Parkhäusern zu Tage fördern. Auch der Stadtrat kommt zum selben Schluss: «Nur gerade einmal im Monat» gebe es während einer Stunde einen Auslastungsgrad von mehr als 95 Prozent. Notparkplätze oder Provisorien während der Bauphase in der Parkgarage Burggraben seien nicht nötig. – Quelle: St.Galler Stadtrat erläutert Parkplatz-Strategie

 Sein Urteil ist deshalb vernichtend: «Die Parkplatzaufhebung war ein unüberlegter Blödsinn.»

Hier verweise ich gerne auf meine Timeline zur Aufhebung. Es müsste allen klar sein, dass diese Aussage nicht wirklich objektiv und sachlich ist. Sie bleibt aber im Artikel unwidersprochen

Von einer desolaten Situation am Marktplatz spricht ein hörbar aufgebrachter Peter Schildknecht. «Tatsache ist, dass seit der Parkplatzaufhebung weniger Leute einkehren, vor allem am Abend.» Ihn störe, dass von dieser Massnahme der Stadt ältere Menschen am stärksten betroffen seien. Für viele sei es schwierig, ohne Auto ins Stadtzentrum zu gelangen. «Mit dem neuen Parkplatzregime wurde einigen das soziale Netzwerk zerstört», sagt Schildknecht. Es könne doch nicht sein, dass ältere Menschen an die Peripherie der Stadt verdrängt würden.

Hier bin ich so frech und frage das St.Galler Tagblatt, ob sie wissen, um wie viele Parkplätze es genau geht. Sind es 10 oder 50?
Achtung Polemik: Bei einer Parkzeit von 30 min, wie sie auf dem Marktplatz maximal möglich war gabs im Restaurant Marktplätzli vermutlich jeden Abend ein Speeddating für Senioren 😉

«Wir merken, dass seit Ende März weniger Gäste in unsere Pizzeria kommen», sagt Dzeki.

Da die Pizzeria erst seit dem 19. Februar 2019 geöffnet hat, wage ich zu behaupten, dass der Einbruch der Gästezahlen wohl eher auf die Eröffnungseuphorie zurückzuführen ist. 5 1/2 Wochen mit Parkplätzen und seit dem 1. April ohne, reicht wohl kaum um eine verlässliche Aussage zu machen.
(Danke den aufmerksamen Followern Marion und Gino auf Twitter, die mich darauf hingewiesen haben)

«Die Konzeptlosigkeit» des neuen Parkplatzregimes auf dem Marktplatz bemängelt auch Peter Schildknecht. «Mit dem Aufstellen von drei Bänken und etwas Farbe auf den Boden zu malen ist das Problem nicht gelöst.» Die Stadt hätte mit der Parkplatzaufhebung warten sollen, bis die Neugestaltung des Marktplatzes umgesetzt werde.

Es dauerte 7!!! Jahre, bis die Stadt einen demokratisch gefällten Entscheid umgesetzt hat. Mit dem Hintergrund, dass wir schon bald zum 3. Mal über eine Neugestaltung des Marktplatzes abstimmen werden, ist es richtig, dass die Stadt keine grossen Würfe plant. Der Vorwurf der Steuergeldverschwendung stünde postwendend im Raum.
Achtung Polemik: Von wem muss ich wohl nicht ausführen.

«Auch die versprochene Kompensation der aufgelösten Parkfelder gibt es nicht.»

Ja, heute gibt es diese Kompensation noch nicht. Aber sie ist unterwegs, wie man an der Baustelle am Unteren Graben unschwer feststellen kann. Warum das UG25 erst jetzt ausgebaut wird (2 Jahre nach der Erteilung der Baubewilligung!!!) müsste man die Bauherrschaft fragen. Möglicherweise liegt es daran, dass die privaten Investoren fehlten. Seis drum, die Stadt hat sich elegant aus dem Dilemma gewindet, in dem sie mit der Pensionskasse der Stadt einen Investor gebracht hat.
Wenn der Bau UG25 fertiggestellt ist, steht ein neues Parkhaus mit über 700!! Parkplätzen zur Verfügung (darin enthalten ist die angesprochene Kompensation)

Ihr seht, in dem Artikel fehlt sehr Vieles. Kein Wunder stehen auf Facebook nun Kommentare wie:

Dafür knorzen Sie schon mehrere Jahre am UG rum. Nimmt mich schon wunder, wer diesen Bau-Horror zahlt? 

War ja im voraus klar…. die Stadt hätte diese Umsätze nötig, sie stirbt ja eh schon langsam aber sicher aus….

Ich freue mich auf jeden Fall auf eine Serie von Tagblatt-Artikeln, die zeigt, was in der Stadt so alles getan (oder auch nicht getan) wird, damit die Innenstadt nicht ausstirbt. Zu Glauben, dass die Einwohner, die gerne eine autofreie Innenstadt hätten, alles daran setzen die Stadt kaputt zu machen ist eher frech. Erst recht, wenn es sich um demokratisch gefällte Entscheide der Stimmberechtigten in der Stadt handelt.
Und was die Stadt anbelangt, ich habe es schon zig mal geschrieben. Auch ihr liegt die Innenstadt am Herzen und sie unternimmt sehr viel! Sucht eine Stadt in der Schweiz, die so engagiert auf die Mitbürger, die Gastronomen und Ladenbetreiber zugeht. Ihr werdet keine finden!

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