Klubhaus – Abbruch auf Vorrat?

Das spanische Klubhaus ist beim besten Willen kein kulinarisches Highlight. Es ist auch nicht unbedingt ein architektonisches Meisterwerk. Aber es ist ein urbaner Ort in einem vernachlässigten Quartier, das zu einem reinen Spekulationsobjekt verkommt.
In der aktuellen Abstimmungsdebatte rund um den Marktplatz geht das brachliegende Gelände hinter den Geleisen unter. Niemand ausser einer Gruppe mit dem Namen „Tisch hinter den Gleisen“ scheint sich dessen so richtig bewusst zu sein. Eine kleine, zusammengewürfelte Gruppe aus allen Schichten will sich einem Abbruch des Klubhauses auf Vorrat entgegenstellen. Sie diskutiert und sammelt Ideen, wie sich die Stadt zum Rosenberg hin entwickeln könnte. Leider findet das Engagement nur sehr beschränkt Beachtung in den lokalen Medien.
Auch die Informationspolitik der Stadt lässt zu Wünschen übrig, oder weiss der Leser, was unsere Bauverwaltung geplant hat, nachdem sie ihr Vorkaufsrecht nicht eingefordert hat?

Wir laufen in unserer Stadt in baulich bewegte Zeiten. Der Bahnhofplatz wird neu gestaltet, über den Marktplatz wird im März abgestimmt, die Uni bekommt einen Neubau und am Bahnhof St. Finden weiss niemand so recht was läuft. Vom Autobahn-Kreisel am Güterbahnhof will ich noch gar nicht sprechen.
Unser Baudepartement und nicht zuletzt auch die lokalen Medien sind gefordert. Die Stadt entwickelt sich, aber niemand scheint wirklich gewillt zu sein, die Einwohner zu informieren geschweige denn zu beteiligen. Stadtplanung scheint ein gut gehütetes Geheimnis einiger wenigen Privilegierten zu sein. Da verwundert es auch nicht, wenn mal ein Volksentscheid eigenmächtig vom Stadtrat nach seinem Gutdünken korrigiert wird. Der Lämmlerbrunnen bleibt und erinnert uns täglich daran, wie erfolgreich die Textilstadt einst war. Die nächsten Generationen werden wohl weiterhin auf diesen Teil der Geschichte zurückgreifen müssen. Denn neue Entwicklungsschritte sind nicht einmal im Ansatz erkennbar.

Der Text wurde am 12.2.2015 auch als Leserbrief beim St. Galler Tagblatt eingereicht
Erschienen ist er am 27. Februar 2015 😉

Marktplatz-Vorlage 2015

Nachdem sich die Komitees formiert haben, Vadian als Befürworter geoutet wurde und der Stadtrat seine Präsentation durch hat, komme ich zum Zug.

Nachdem ich mir die Materialien der Stadt angeschaut habe, bleiben doch noch ein paar Punkte, die mich noch von einem uneingeschränkten Ja abhalten:

1. möchte ich Herrn Scheitlin darauf aufmerksam machen, dass sich der Marktplatz/Bohl sehr wohl in 50 Jahren verändert hat. Nicht zuletzt stand damals noch das Stadttheater neben dem Hotel Hecht. Aber das sind Nebenschauplätze, die nicht weiter wichtig sind 😉

2. Man hört/liest sehr oft, dass wir für 8 Millionen einen neuen Platz erhalten. So ganz stimmt das nicht. Die 6 Millionen Sanierungsbedarf, oder wie „Ohnehinkosten“ wie sie Herr Scheitlin nennt müssen auch aufgewendet werden. Leider fehlen mir da noch ein paar Angaben, was genau in den 6 Millionen mit drin ist.

3. Bekommen wir ein „Vandalensicheres 24 Stunden WC“ für 1.9 Millionen – Bleiben also noch knapp 6 Millionen für den eigentlichen Marktplatz.

4. Das Taubenloch wird für 2 Millionen saniert, bleiben also noch rund 4 Millionen für den eigentlichen Marktplatz. Das würe dann in etwa die Hülfte. (Ja, ich weiss, ich bin böse, wenn ich das so rechne. Herr Scheitlin müsste sich das jedoch gewohnt sein. Er kennt ähnliche Rechnungen aus dem Budget*.)

Das zum finanziellen Aspekt für all diejenigen, die Zahlen gerne verknüpft statt abstrakt sehen.

Etwas das mir auf der Präsentation noch aufgefallen ist, am Blumenmarkt/Taubenloch sieht es im Modell ganz anders aus. Die Treppe fehlt da zu einem grossen Teil. Dabei ist mir nicht ganz klar, wie das Gefälle vom Markt zum Union hinauf überbrückt wird. Ich hoffe nicht, dass Pflastersteine zum Einsatz kommen und somit eine Glatteisrutschbahn par excellence entsteht. Menschen die nicht mehr ganz so gut zu Fuss sind, dürften daran etwas weniger Freude haben.

Nicht das ihr jetzt glaubt, ich sei ein vehementer Gegner des neuen Marktplatzes. Es ist nur so, dass ich unserem Stadtrat gerne auf die Finger schaue, bevor ich ein Ja oder Nein auf den Zettel schreibe. Zu oft wurden wir in den letzten Monaten in Sachen Bauen unzureichend informiert.
Der Lämmlerbrunnen und die Geschichte um das spanische Klubhaus, um 2 Beispiele zu nennen.

* Kurze Erläuterung zu Zahlenspielchen beim Budget:
Der Stadtrat fasst bei der Kultur so einfach mal die grossen Veranstaltungen in einen 8 Mio Posten zusammen, um nachher ein paar Tausender bei den kleinen Künstlern einsparen zu können. Soll mir keiner sagen, dass der gestrichene Posten nicht auch bei den grossen hätte eingespart werden können. Aber eben, man hat es nicht immer so mit der finanziellen Transparenz.

Das Heft selber in die Hand nehmen

Ich sammle ja alles, was zur Bautätigkeit in St.Gallen bei mir aufschlägt.
Ganz aktuell ist es sicher die Neugestaltung des Marktplatzes und die Diskussionen um den Bahnhof Nord.

Ich möchte hier auf die Engagements verschiedener Gruppen und Personen aufmerksam machen, die sich ausserhalb von Politik mit den Bauvorhaben beschäftigen. Die Vorhaben bewegen sehr viele. Quartiervereine, die sachlich informieren, lose Gruppierungen die sich zu Kreativ-Meetings treffen und altehrwürdige Veteranen, die sich in den Sozialen Medien äussern.

Die Sachlichen

Der Quartierverein Rosenberg organisiert Ende Januar eine Führung um den Bahnhof Nord. Dabei soll auch ein Blick auf die bereits realisierten Bauten geworfen werden. Der Bau der FHS, der Kasten der VRSG sowie die Platzgestaltung und die Unsägliche Geschichte der Villa Wiesental sind Teil der Informationsveranstaltung. Natürlich wird die Zukunft im Vordergrund stehen, ein Blick zurück ist aber sicher nicht falsch.
Ich bin gespannt, ob das Tagblatt und die Politik sich zu den Interessierten gesellen.

Die Kreativen

Die Gruppe „Tisch hinter den Gleisen“ hatte Mitte Januar ein erstes Treffen im spanischen Klubhaus organisiert. Es kamen 48 Personen! Eine stattliche Anzahl Interessierter, die sich frei Gedanken machen konnten. Die Ideen und Vorschläge wurden auf Tischsets skizziert und sind auf der Webseite einsehbar. Mit dabei war das Magazin Saiten. In den restlichen Medien gab es dazu leider nichts zu lesen.

Die „Stadtväter“

Gallus und Vadian, zwei ziemlich statische Figuren aus Stein und Metall, äussern sich ebenfalls zu Wort. Wer könnte die Arbeiten besser beobachten als diejenigen, die 24 Stunden am Tag vor Ort sind. Gut dass die beiden sich auf Twitter gefunden haben und Interessierte laufend informieren. Den beiden liegt die Stadt am Herzen. Sie scheuen sich auch nicht kritische Fragen und Ideen anzubringen. Alleine deswegen lohnt sich ein Blick auf Twitter 😉

Lämmlerbrunnen

Um es vorn weg zu nehmen. Ich bin nicht unglücklich, wenn der Brunnen weiterhin den Bahnhofplatz prägt. Meine Prioritäten bei der Abstimmung lagen mehr bei der Unterführung.
Eines muss ich aber Frau Adam vorwerfen und dabei geht es nicht um die erfolglose Suche nach alternativen Standorten für den Brunnen, sondern es geht um viel mehr.
Es geht um die Missachtung eines demokratisch gefällten Entscheids. Die Tragweite mag zwar gering sein, trotzdem hat Frau Adam im Alleingang das Resultat gedreht. Das bei einem im Vorfeld der Abstimmung durchaus kontrovers diskutierten Teil der Vorlage.
Frau Adam und die Bauverwaltung müssen aufpassen, dass die Abstimmenden in Zukunft nicht das Vertrauen in sie verlieren. Im Stile, weshalb soll ich abstimmen, die machen dann ja so oder so was sie wollen, oder mindestens so schlimm, es wird aus Prinzip gegen die Vorschläge gestimmt.
Das kann bei all den geplanten Bauvorhaben wie Platztor, Bahnhof Nord, Marktplatz und dem Güterbahnhof gewaltig nach hinten los gehen.
Was Frau Adam da gemacht hat, ist aus demokratischer Sicht ein Tritt in den Allerwertesten.

Dieser Blogpost wurde auch als Leserbrief an die Redaktion des St. Galler Tagblatts verschickt.

Zusätzliches Material: Einfache Anfrage Karin Winter, Doris Königer; Lämmler-Brunnen – ein Teil unserer Identität (PDF)

DIE Chance für St.Gallen

Aktuell sind in der Stadt St. Gallen und rund ums Zentrum herum sehr viele Bauvorhaben in Vorbereitung, Planung und zum Teil schon in der Umsetzung.
Da ist ganz aktuell die Südspange auf dem Gelände des Güterbahnhofs und der Bahnhof Nord mit dem spanischen Klub. Ebenfalls ganz frisch ist die Idee, die Uni am Platztor expandieren zu lassen.
Hinzu kommt die Umgestaltung des Marktplatzes und der bereits im Bau befindliche Bahnhofplatz.
Brach liegt noch das Gelände rund um den Bahnhof St. Finden, erste Ideen sind aber auch dort schon aufgetaucht.

Insgesamt ein enormes Potential für unsere Stadt. Leider befürchte ich aber, dass wir die Chance für eine fortschrittliche Planung verpassen. Und zwar aus einem einfachen Grund.
Es scheint niemand willens zu sein, diese ganzen Baustellen als Einheit zu betrachten und die Möglichkeiten für eine Stadtentwicklung für die nächsten 50 bis 100 Jahre in Betracht zu ziehen.

Ich empfehle der Stadt, dem Kanton und den Einwohnern den Ball flach zu halten und ein paar geschickte Spielscenarien durchzurechnen, so dass der finale Schuss auch zu einem Tor führt 😉

Ich richte mich hier insbesondere an Frau Adam, die bereits wieder alles (zumindest in ihrem Kopf) durchgeplant hat. Nutzen sie die Chance, mit einem Weitwinkelobjektiv an die Städte- und Verkehrsplanung heranzugehen, ohne gleich vorzupreschen und unsere Reserven in den Schlund von Investoren zu werfen. Danke!

Dazu ein paar Schnapsideen:

  • Ein Tunnel von der Rosenbergstrasse bis zum Platztor, Ausweitung des Quartiers Bahnhof Nord über die Rosenbergstrasse hinaus
  • Dank dem Tunnel eine Erweiterung der Innenstadt vom Blumenbergplatz bis zum Unteren Graben
  • Uni Standort am Bahnhof Nord, Synergien mit der FHS, Tiefgarage, einfache Zufahrt für Studenten
  • Ein neues Quartier am Platztor könnte entstehen, Urban, Wohn- und Kleingewerbequartier

Ich bin sicher, mir fallen noch weitere Ideen ein. Wichtig ist mir, dass nicht alles aufgrund von bestehenden Regelungen und Kanton/Stadt Querelen als utopisch abgeschossen werden.

 

Grossprojekt Marktplatz

Das Projekt macht mir auf den ersten Blick einen sehr ausgereiften Eindruck. Eigentlich bin ich sogar begeistert, welche Vorarbeiten da geleistet wurden.
Ich werde mich noch etwas tiefer einlesen, freue mich aber jetzt schon auf unser neues Stadtzentrum.

Ok, noch ist nichts beschlossen, aber das Geld scheint mir gut angelegt zu sein.
Ich hoffe, dass das Projekt nicht zerredet wird und sich nicht wegen kleinen Details ins Unendliche zieht.

http://www.stadt.sg.ch/home/bau_und_planung/projekt_marktplatz.html (20.01.2017: der Link ist leider nicht mehr vorhanden)