St.Parkplatz – Ich dreh langsam durch

In den St.Galler Nachrichten von gestern Mittwoch durfte Mister „St.Galler Nachrichten“ Franz Welte mal wieder eine Kolumne schreiben. Der eigentlich stets gut informierte Herr Welte liegt diesmal aber völlig daneben. Er lässt weg, verdreht die Fakten und poltert in trumpscher Manier über den Stadtrat.
Ich empfehle auch meinen kleinen Faktencheck zu St.Parkplatz

Gerne gebe ich Herrn Welte etwas Nachhilfe. Die gesamte Kolumne findet ihr am Ende

Die Stadt St.Gallen geht auf geradem Weg auf einen Parkplatznotstand zu

Ich verzichte hier darauf, Herrn Welte zu erklären, was Notstand bedeutet. Fakt ist, die Zahl der Parkplätze in der Innenstadt ist 2007 sprunghaft angestiegen und liegt heute höher als 2016 und höher als 2017. Da frage ich mich, wann genau das Sterben im Detailhandel begonnen hat. Parkplatz Vision Innenstadt, St.Parkplatz Neunhundertsiebenundachtzig, Minus 51 Parkplätze

Dabei wird auch das «Projekt Zukunft Innenstadt St.Gallen» einfach ignoriert, das eine gute Erreichbarkeit postuliert


Herr Welte war zumindest beim letzten Forum (soweit ich weiss) persönlich anwesend. Möglich, dass er den Teil verpasst hat, bei dem die Massnahmen bezüglich Lieferanten- und Handwerkerparkplätze vorgestellt wurden. Das Forum beinhaltet ein eigenes Kapitel nur zum Thema Parkplätze. Faktencheck St.Parkplatz


Die oberirdischen Parkplätze auf dem Marktplatz/Bohl und in den benachbarten Gassen werden per Dekret aufgehoben


Auch hier verzichte ich darauf, Herrn Welte zu erklären, was ein Dekret ist. Er weiss sehr genau, dass die Aufhebung auf eine parlamentarische Initiative zurückgeht. Diese wurde vom Stadtparlament gutgeheissen, so wie es aus demokratischer Sicht sein muss. Minus 51 Parkplätze


Der Stadtrat will gemäss Beantwortung eines politischen Vorstosses auch die Parkplätze an der Bahnhofstrasse aufheben, um den Appenzeller Bahnen eine bessere Durchfahrt zu ermöglichen


Ja, der Stadtrat wollte das, wenn auch auf Drängen der Appenzellerbahnen. Dieses Vorhaben ist jedoch durch insgesamt 8 Einsprachen blockiert. Ich gehe davon aus, dass die Fahrgäste nach Speicher noch längere Zeit Verspätungen wegen parkierten Autos in Kauf nehmen müssen. Schuld daran, dass die Parkplätze verschwinden müssen sind nämlich die unfähigen Autofahrer selber, die es nicht schaffen, ihre Karre innerhalb der Markierungen abzustellen Bahnhofstrasse, 8 Rekurse auf Vorrat, Hinterlauben, Bahnhofstrasse am 2.1.2019, 51 Parkplätze müssen weg – die Story

So rasch sind die vorgesehenen weiteren Parkplätze in der Parkgarage Unterer Graben aber natürlich nicht erstellt

Das liegt daran, dass sich keine Investoren finden. Die Baubewilligung ist längst erteilt. Aber anscheinend ist der Druck auf die Wirtschaft viel zu gering, als das sich da jemand durchringen könnte, in den Ausbau zu investieren. Die Wirtschaft jammert lieber und schiebt den Ball der Stadt zu Hoch gepokert

Die Verbreiterung der Parkplätze in der engen Garage durch die neue Besitzerin, der CityParking AG, ist zwar lebhaft zu begrüssen, doch wird der Parkplatz-Engpass damit vergrössert


Die notwendige Sanierung ist längst bekannt. Zudem ist im Stadtparlament noch immer eine Anfrage hängig, die temporär für Ersatz auf dem Platztor anfragt , Interpellation FDP-Fraktion: Aufhebung von Parkplätzen ohne Kompensation? Sanierung Burggraben, Burggraben geschlossen Teil II
Und nein, der Engpass entsteht, weil immer mehr Autofahrer grössere Autos kaufen – Markus Tofalo zeigt das sehr schön auf

Der Spelteriniplatz mit 156 Parkplätzen soll dieses Jahr gemäss Budget mit 1,5 Millionen Franken saniert werden und wird damit über längere Zeit ebenfalls geschlossen

Noch ist nicht klar, wann genau diese Sanierung durchgeführt wird. Der Platz ist an normalen Tagen so oder so eher bescheiden belegt. Zudem steht er auch sonst während der Olma, der Offa und Zirkus Knie über mehrere Wochen jeweils nicht zur Verfügung.

Saniert werden soll auch die Parkgarage Kreuzbleiche mit 370 Parkplätzen für 10,3 Millionen Franken. Dieses Jahr wird dafür bereits eine Million Franken ausgegeben



Wann diese Sanierung stattfindet, ist offen. Die Stadt als Eigentümerin der Kreuzbleiche und Miteigentümerin beim Burggraben wird sich hüten, beide Vorhaben gleichzeitig zu realisieren. Das liegt nicht in ihrem Interesse

Am Bahnhofplatz sind mit der Neugestaltung ebenfalls Dutzende von Parkplätzen verschwunden


Würde heissen, dass mindestens 24 Plätze verschwunden sind. Herr Welte darf mir gerne zeigen, wo diese ursprünglich waren Bahnhofstrasse

Der Detailhandel stirbt. Unter anderem auch deshalb weil die Energie in unsinnigen Diskussionen über Parkplätze verpufft. Wer als Detailhändler noch immer das Gefühl hat, er können noch 100 weitere Jahre so arbeiten verliert, egal ob mit oder ohne Parkplätze.


Der Stadtrat löst einen Parkplatz-Notstand aus
Die Stadt St.Gallen geht auf geradem Weg auf einen Parkplatznotstand zu. Jene sehr aktiven Kräfte, denen das wichtigste kommunalpolitische Anliegen die Aufhebung von Parkplätzen ist, dürften triumphieren. Sie machen sich natürlich keine Gedanken, dass sie mit ihren Parkplatz-Beseitigungs-Aktivitäten auch die ohnehin mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontierten Detailhändler in hohem Masse beeinträchtigen. Dabei wird auch das «Projekt Zukunft Innenstadt St.Gallen» einfach ignoriert, das eine gute Erreichbarkeit postuliert. Bei realistischer Betrachtung wird sofort klar, dass neben der starken Förderung des ÖV und des Langsamverkehrs für die Aufwertung der Innenstadt auch ein Parkplatzangebot beibehalten werden muss. Die oberirdischen Parkplätze auf dem Marktplatz/Bohl und in den benachbarten Gassen werden per Dekret aufgehoben.Der Stadtrat will gemäss Beantwortung eines politischen Vorstosses auch die Parkplätze an der Bahnhofstrasse aufheben, um den Appenzeller Bahnen eine bessere Durchfahrt zu ermöglichen.  Das ist legitim, doch sollte Ersatz geschaffen werden. So rasch sind die vorgesehenen weiteren Parkplätze in der Parkgarage Unterer Graben aber natürlich nicht erstellt. Mit der Sanierung (neue Pflästerung) der Metzgergasse und der Engelgasse verschwinden auch die dortigen Parkplätze. Die Parkgarage Burggraben mit 295 Parkplätzen ist wegen Umbaus während des ganzen Jahres geschlossen. Die Verbreiterung der Parkplätze in der engen Garage durch die neue Besitzerin, der CityParking AG, ist zwar lebhaft zu begrüssen, doch wird der Parkplatz-Engpass damit vergrössert. Noch nicht genug:  Der Spelteriniplatz mit 156 Parkplätzen soll dieses Jahr gemäss Budget mit 1,5 Millionen Franken saniert werden und wird damit über längere Zeit ebenfalls geschlossen. Saniert werden soll auch die Parkgarage Kreuzbleiche mit 370 Parkplätzen für 10,3 Millionen Franken. Dieses Jahr wird dafür bereits eine Million Franken ausgegeben. Am Bahnhofplatz sind mit der Neugestaltung ebenfalls Dutzende von Parkplätzen verschwunden und auf die neuen beim Bahnhof der Appenzeller Bahnen AB wartet man schon seit geraumer Zeit. Weitere Parkplätze verschwinden durch neue Busspuren auch in Aussenquartieren. Es ist zu befürchten, dass das Ladensterben damit noch deutlich beschleunigt wird. Gerade manche jener Geschäfte, die auf Autokundschaft angewiesen sind, dürften die Parkplatz-Notstands-Phase nicht  überleben können. Wie aus dem offenen Brief von elf Ladenbesitzern und Unternehmern in der Innenstadt deutlich zu lesen ist, gibt ihnen die Parkplatz-Beseitigungs- und Parkplatz-Tarifpolitik in hohem Masse zu schaffen. Die Situation ist für sie unangenehm, kann doch nicht erwartet werden, dass alle auch für grössere Einkäufe die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Es muss daher erwartet werden, dass der Stadtrat seine Parkplatzbeseitigungs-Euphorie im Interesse der Innenstadt bremst und auch seine Sanierungsabsichten terminlich so lagert, dass nicht gleichzeitig noch weitere bestehende Parkplätze zur geschlossenen Burggraben-Garage vorübergehend aufgehoben werden.

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